Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 19/20 (20.12.1907)
- Date
- 1907-12-20
- Page
- Seite 164 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 19/20 164 LITERATURBLA 1' T Stande aufnehmen möchte. Wünsche ist das im besten Sinne des Wortes gelungen. Er hat in formvollendeter Weise eine getreue Darstellung der kleinen Midraschim gegeben, die zum allermeisten durch Jellineks Arbeit gesammelt und herausgegeben worden sind. Sie werden in der neuen Form sich Eingang verschaffen und dazu beitragen, in Wiinsches Sinne Verständnis und Interesse für die rabbinische Literatur zu verbreiten, dlie des Interesses ebenso entbehrt wie des Verständnisses. hs. Notizen Von einer altegyptischen Judengemeinde erzählen Papyrusurkunden, die Otto Rubensohn in den Trümmern Elephantines gegenüber Assuan unterhalb der Nilschnellen, gefunden hat. Sic erläutern zugleich unklare Stellen des Alten Testaments, der Bücher der Chronik mit Esra und Nehemia, sind also ein wichtiger Beitrag zur jüdischen Geschichte vom Auftreten Nehemias bis auf Alexander den Grossen. Wir entnehmen darüber der musterhaften Uebersetzung-und Erklärung Eduard Sachaus in den Abhandlungen der kgl. preussischen. Akademie der Wissenschäften (vom 10. Oktober) folgendes: ln Jeb, der egyptischen Grenzfestung gegen Nubien, die die Griechen später Elephantine nannten, wurde neben anderen Gottheiten der widdei köpfige Chnutn oder flnub verehrt. Als Kambyses 525 Egypten erobert hätte, suchte er die egyptischen Götter zurückzudrängen, und wie sein Vater Cyrus die Juden gegen die Baby- Ionier begünstigt hatte, spielte Kambyses sie gegen die Egypter aus. Auch, in Jeb schützte er die Juden und ihren Tempel gegen die Egypter und die Priester des Chnum. Seine Nachfolger behielten diese Politik bei. Unter Darius II. (424 bis 405) war in Jeb Statthalter Arsam, den er aus Xenophons Zehntausend jedem bessern Sekundaner bekannte Arzt und Geschichts- Schreiber ־der persischen Könige Ktesias A'rxanes nennt. Papyrus I. sagt nun: ,,Im Monate Tammuz im Jahre 14 des Königs Darius, als Arsam fortgezogen und zum König gegangen war, machten die Priester des Gottes Hnub in der Festung Jeb mit Waidrang, der hier Statthalter war, eine geheime Vereinbarung folgender Art: Den Tempel des Gottes Jahu in der Festung Jeb soll man von dort entfernen. Darauf schickte jener Waidrang Briefe an seinen Sohn Nephajan, der lieeresoberster in der Festung Syene (oberhalb der Nilschnellen) war . . . Dann führte Nephajan Egypter herbei samt anderm Kriegsvolk; sie kamen nach der Festung Jeb, drangen ein in jenen Tempel und zerstörten ihn bis auf den Boden.‘'׳ Aber das Strafgericht blieb für Waidrang nicht aus. Leider deuten es die Schreiber der Urkunde, ״Jedonjah und seine Genossen, die ־Priester in der Festung Jeb,‘‘ nur an mit den 'W'orten: ״Man hat die Fusskette von Waidrangs Füssen entfernt, und alle Schätze, die er. erworben hatte (nach Zeile 12 die geraubten goldenen und silbernen Tempelgeräte) sind zugrunde gegangen. Und alle Leute, die jenem Tempel Böses gewünscht hatten, alle sind getötet, und wir haben es zu unserer Genugtuung nicht angesehen.“ Der jüdische Tempel in Elephantine wurde aber mit sofort wieder aufgebaut. Am 20. Marcheschwan im Jahre 17 des Königs Darius, also 2V1 Jahre nach der Zerstörung — der Marcheschwan ist der zweite, der Tammuz der zehnte jüdische Monat — im Jahre 408—407 also schreiben Jedonjah und Genossen in dem von Rubinsohn im Archiv der jüdischen Gemeinde in Elephantine gefundenen Briefe an den Statthalter von Judäa, Bagohi: .,,Auch früher, zur Zeit, als dies Unheil uns zugefügt worden war, haben wir einen Brief geschickt an unsern Herrn sowie an Jehohanan, den