Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 17 (15.11.1907)
- Date
- 1907-11-15
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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142 LITERATURBLATT No. 17 Altjüdische Dekumente aus Elephantine. Der französische Aegyptologe Clermont-Ganneau macht im TEMPS interessante Mitteilungen über die in Elephantine, dem altägyptischen Ab, einer Insel im ersen Nilkatarakt, sowohl von deutscher als auch von französischer Seite betriebenen eifrigen Forschungen nach althebräischen Ge- Schichtsdenkmälern, deren bisherige Ergebnisse nach der Meinung des französischen Gelehrten dazu geeignet scheinen, die überlieferte Exegese von Grund auf umzugestalten. Elephantine, heute Dschezirat az־zaher, war dr Haupthandelsplatz nach Kusch. Die ganz überraschende und unerwarete Auffindung altjüdischer Dokumente in Elephantine, die den Beweis erbringen, dass dort etwa im 5. Jahrh. vor Christi Geburt ein jüdisches Bethaus gestanden habe, enthüllen eiine Unmenge neuer, bisher unbekannter Tat- Sachen au der dunklen Epoche des ersten Exils der Juden. Clermont-Ganneau, der Leiter der französischen, Expedition, die in Elephantine Seite an Seite mit der deutschen unter Rubensohn steht und die Ausgrabungen betreibt, teilt über das bisherige Ergebnis folgendes mit: ״Bisher sind in Aegypten Papyri in den Sprachen der verschiedenen Rassen aufgefunden worden, die das Land im Laufe der Jahrtausende bewohnt hatten, ohne dass sich jedoch erhebliche Schriftstücke in hebräisch-aramäischer Sprache darunter befunden hätten, obwohl doch gerade die Juden in diesen Gebieten einen Wendepunkt ihrer Geschichte durchgemacht haben. Alles, was man fand!, waren etwa 12 Papyrus-Rollen in aramäischen Zeichen, über deren Entzifferung sich die Gelehrten stets strittig waren, und die nur einmütig von allen Fachmännern in die griechisch-ptolemäische Epoche eingereiht wurden. Ich hingegen gelangte bei dem Studium des Problems zu einer anderen Auffassung und vertrat gleich anfangs die Ansicht, dass die aramäischen Papyrus-Rollen aus einer viel früheren Zeit, aus der Regierung des Darius, Xerxes und Artaxerxes stammen. Ich kam zu diesem Schlüsse durch das rationelle Studium eilnes der aufgefundenen aramäischen Fragmente, das unter der Bezeichnung Turiner Papyrus bekannt ist, und in dem ich den Anfang einer offiziellen Adresse an den ägyptischen Satrapen Mitrawahicht zu erkennen glaubte, die eine merkwürdige Kongruenz mit jener Adresse aufwies, die an den König Artaxerxes gerichtet war und darum bat, den Juden den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem zu untersagen. Diese meine Ansicht fand später ihre Bestätigung durch das Auffinden anderer aramäischer Papyrus-Rollen, die ganz nach Jahr, Monat und Tag datiert waren und zweifellos aus der Zeit des Darius, Xerxes und ÄJrtaxerxes stammten. In einer dieser letzteren, die der deutsche Gelehrte Euting zum grossen Teil entziffert hat, ist von Ereignissen die Rede, die in das Jahr 14 unter Darius II. (417 v. Chr.) fallen. Ich habe nach ihm das Studium dieses Papyrus aufgenommen und bin zur Ueberzeugung gekommen, dass es sich um den Protest einer nicht-ägyptiischen — möglicherweise jüdischen— Bavölkerungsgruppe gegen die Bedrückung des ägyptischen Priesterkollegiums des Gottes Khnoum auf der Insel Elephantine handelt. Die letzten Forschungen, von denen später die Rede ist, be- •«tätigten meine Ansicht vollauf. Durch die Feststellung der Provenienz 'dieses Papyrus, der aus zweiter Hand in die Strassburger Bibliothek gelangt War, kam plötzlich Licht in die Sache, und Elephantine erwies sich als ein hochwichtiges aramäilschjüdisches Zentrum der persischen Epoche. Insbesondere geschah dies durch mehrere in Elephantine aufgefundene Papyrus-Rollen, deren eine von dem ägyptischen Satrapen Bagohi die Erhiubnis :zum Wiederaufbau des Jehova-Tempels in Elephantine erbat und; davon Mitteilung macht, dass eine ähnliche Bittschrift den Söhnen des Gouverneurs Sannaballat zugegangen sei. Ein anderer Papyrus enthält in kurzen Worten die Mitteilung, dass diese Erlaubnis durch die Für- Sprache Bagohis erteilt worden sei. Zweifellos hat man es hier mit äusserst wichtigen authentischen Dokumenten für die geschichtliche Forschung zu