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Jüdische Rundschau · 1907-10-25 · 16 (25.10.1907) · p. Seite 135

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
16 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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No. 16 LITERATURBLATT 135 In dem zweiten Hügel kam bereits 40 Zentimeter unter der Oberfläche die Stadtmauer zum Vorschein, eine aus gebrannten Lehmziegeln massiv erbaute Mauer, hier drei Meter dick und drei Meter hoch, auf einem 60 Zentimeter hohen steinernen Grundgemäuer ruhend. In dem dritten Hügel fand sich kein grösseres Bauwerk; vielmehr war im Laufe der Jahrhunderte ein Privathaus über das andere geschichtet, so dass man Hausgeräte der verschiedensten Zeiten fand. Das Ueberraschende aber war, dass auch bereits das in der obersten Schicht gefundene, nach unserer ganzen sonstigen Kenntnis altpalästinischer Keramik als kanaanitische Ware in Anspruch genommen werden musste, so dass wir hier den Niederschlag einer etwa ein Jahrtausend durchziehenden unversehrten kanaanitischen Kultur vor uns.haben. Viele wertvolle Gegenstände wurden dort gefunden: etwa 30 kleine, mittlere und grosse Krüge, teilweise sehr zierlich und künstlerisch schön gestaltet, viele Lampen, vom primitiven Napf bis zu den umgeschlagenen drei- oder vieirschnauzigen, Teller, Schalen, Spindeln, Gewichte, Mörser, Mühlen usw. Ganz besonderen Wert hat ein 20 Zentimeter hohes steinernes Bildnis in menschlicher Gestallt und ein Krughandgriff mit einem Stempel, in dem Professor Sellin zwei althebräische Lettern erkennt. Trifft seine Erklärung zu, so haben wir hier ein sehr wichtiges urkundliches Argument dafür, dass die Kanaaniter bereits diese phönizischmoabitisch-althebräischen Lettern um 1500 vor Christo gekannt haben, was neuerdings nach den mancherlei keilinschriftlichen Funden aus dieser Zeit mehrfach bezweifelt ist. Von einer hoffentlich bald erfolgenden gründlichen Ausgrabung dieser uralten Trümmerstätte dürfen wir eine ausserordentliche Bereicherung unserer archäologischen Kenntnisse erhoffen. Jüdische Bankiers vor mehr als 2300 Jahren. Diese historische Fesstellung ergibt sich aus unlängst entdeckten Urkunden, die der Zeit von 471—411 v. Chr. angehören. Sie werden in einem Werk von Prof. A. H. Sayce und A. E. Cowley ״Aramaic Papyri discovered at Assuan“ (Alexander Moring Ltd., London) veröffentlicht. Hier wird die Lage der Juden in Aegypten im 5. Jahrhundert v. Chr. interessant beleuchtet, und aus jenen datierten, gut erhaltenen Urkunden geht nach der INTERNATIONALEN WOCHENSCHRIFT FÜR WISSENSCHAFT, KUNST UND TECHNIK hervor, dass im Süden Aegyptens hundert Jahre nach d!em Tode Jeremias, der ihre Grosseltern in das Land geführt hatte, eine Siedelungsgenossenschaft von Juden als Bankiers tätig war. Sie bildeten eine besondere Gemeinde mit einem eigenen Gerichtshof und einem eigenen Heiligtum. In diesem verehrten sie den ״Gott der Juden“; die Sitte, die später das Aussprechen seines Namens verbot, findet sich in ihnen noch nicht. Sie wurden nicht als Bürger angesehen, doch befolgten sie wahrscheinlich das ägyptische Gesetz, in welchem die rechtmässige Nachfolge nach der Mutter rechnet. Im übrigen lebten sie unter persischem Gesetz. Die Papyri gehören Herrn Robert Mond und Lady William Cecil. Ausgrabungen in Alexandrien. M. Clermont-Ganneau hat gelegentlich der im Nordosten der Stadt Breccia unternommenen Ausgrabungen eine interessante Entdeckung gemacht. In einem Grabe fand er eine Inschrift mit.semitischen Schriftzeichen, und zwar zehn Buchstaben in roter Farbe. Die Zeichen gehören dem aramäischen Alphabet an und tragen die Charakteristika der persischachämenidischen Periode. M. Clermont-Ganneau hat festgestellt, dass es sich um den Grabstein eines Mannes mit Namen Akabia, Sohn des Elienai, handelt. Die Inschrift wird wohl in die erste ptolemäische Epoche fu datieren sein. Die Lage des jüdischen Friedhofes in Alexandrien aus der vorchristlichen Zeit war bisher unbekannt. Die Ausgrabung des Grabsteins

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