Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 16 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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134 LITERATURBLATT No. 16 ein GymnajSion in der Nähe des Tempels in Jerusalem bauen liess, wo Männer und Knaben unter Aufsicht eines Lehrers Uebungen machten. Schon damals aber widersetzten sich die Orthodoxen den gymuastischen Uebungen, weil sie nackt ausgeübt wurden. Trotzdem kamen sie eine Zeitlang zu solcher Blüte, dass sich selbst die Priester damit abgaben und ihre geistige Beschäftigung vernachlässigten. Einige Rabbiner, unter ihnen der Patriarch Oamliel II., betrachteten die Gymnastik als einen Teil griechischer Weisheit und lernten den Wert der Gymnastik für die plastische Entwicklung der jüdischen Jugend schätzen. Gamliel begünstigte die Einführung van Gymnasien auch deshalb, weil er sagte, dass die Gymnastik die Juden für ihren Verkehr mit den anderen Völkern varbereite und stähle. Im Ausgange des Altertums, gegen das Jahr 400, beschäftigten sich sogar jüdische Frauen mit körperlichen Uebungen, hauptsächlich mit Ballspielen. Die Juden von Spanien und Italien nahmen sogar an Turnieren teil. Dass das Turnieren den Beifall vieler Rabbiner erregte, wird durch wiederholte Hinweise bestätigt, die man in der rabbinischen Literatur findet. Im Mittelalter, wo die Juden so verfolgt wurden, vernachlässigten sie natürlich körperliche Uebungen*), aber gegen Ende des 18. Jahrhunderts traten Turnübungen und Sport unter den Juden wieder hervor. Jedoch den richtigen Wert des Turnens für uns Juden erkannte man erst in Deutschland, von wo das jetzige Turnen ja überhaupt stammt und von wo auch die jüdische Turnbewegung ausging. Isidor W 01 ff: Verbreitung des Turnens unter den Juden. Jericho vor 4000 Jahren. Ueber Ausgrabungen bei Erina (Jericho) berichtet Professor D r. Ernst Sellin in den MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN DES DEUTSCHEN PALÄSTINA VEREINS. Es handelt sich um das älteste, das kanaanitische Jericho und um eine Kultur, die um2300 ׳ bis 4300 Jahre zurückliegt. Josephus’ Behauptung, dass das von Josua zerstörte Jericho bei der 1V2 Kilometer nordwestlich von der damaligen ״Palmenstadt“ befindlichen Elias-Quelle (2. Kön. 2, 19—22) gelegen sein müsse, ist durch Sellins Ausgrabungen voll bestätigt worden. Bereits ist die Befestigungsart dieser Stadt festgestellt, und es ist auch durch eine grössere Anzahl von Einzelfunden der Beweis geliefert worden, dass vieles im Innern der Stadt alle Stürme der Eroberung wie der Zeit überstanden hat. Unter anderem erhob sich nach Entfernung eines Schutthügels die Ruine einer Burg, wie sie noch nie besser erhalten in Palästina ausgegraben ist. Deren Gelände besteht aus einer 180 Meter breiten, 370 Meter langen Hochebene, die sich durchschnittlich 10 Meter über der Ebene erhebt, und aus dem sieben Hügelgruppen durchschnittlich etwa 10 Meter hoch emporragen. Auf dem nördlichsten Hügel stiess man bereits 80 Zentimeter unter der Oberfläche auf ein festes Bauwerk, auf die schon erwähnte gut erhaltene Burg. Dort stand ein 20 Meter langer, 12 Meter breiter und 6 Meter hoher Turm. Die eigentliche Burg hatte drei Stockwerke mit 17 Zimmern. In drei Zimmern standen auch noch Backöfen. Auch die vielen Steinmesser und Scherben bekunden die Abstammung aus kanaanitischer Zeit. Eine ganz neue Art Scherben fand man, solche, in die mit wunderbarer Feinheit Tiergestalten, Steinböcke und sie verfolgende Löwen hineingearbeitet sind. Gestalten, die an babylonische Dar- Stellungen erinnern. *) Während des ganzen; Mittelalters haben die deutschen Juden körperlichen Uebungen obgelegen und diese verschwinden erst bei ihrer Verdrängung aus Deutschland nach Polen und Russland. Recht bezeichnend ist hierfür das bekannte jüdische Turnier zu Weissenfels zu Wenzels Zeit. (Red.).