Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-10-25 · 16 (25.10.1907) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
16 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8295971-9046061-8238392--591-8190209
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

132 No. 16 LITERATURBLATT kammern wurden entdeckt, in denen man 6 und 12 wohlerhaltene Leichen fand. Eine derselben hielt in ihren Händen mehrere prächtige Skarabäen, das sind Siegessteine, welche altägyptische Schriftzeichen trugen. Aus diesen geht hervor, das sder Tote am Hoie von Sesostris I, als Page auferzogen wurde; er ist dann, vermutlich als ägyptischer Statthalter in Megiddo gestorben, welches damals zum Pharaonenlande gehörte. Für einen besonders wertvollen und künstlerisch trefflich gearbeiteten Siegelstein boten die Amerikaner vergeblich 40 000 Mk., da die Deutschen, da sie kontraktlich verpflichtet sind, alle wertvollen Altertümer dem Museum zu Konstantinopel zu überliesern. Der Stein be ndet sich übrigens jetzt im Privatschatze des Sultans, wo er der wissenschaftlichen Welt entzogen ist, die sich mit photographischen Abbildungen und Gipsabdrücken begnügen muss. Merkwürdigerweise waren die Schädelknochen einiger Leichen ungewöhnlich dick. Eine Untersuchung durch Anthropologen, die von grossem Wert gewesen wäre, konnte leider nicht vorgenommen -werden,. da die Knochen, sobald sie an das Tageslicht und an die Luft gebracht wurden, in Staub zerfielen. — Babylonisches wurde so gut wie gar nichts gefunden, während der Einfluss Altägyptens auf Kanaan unverkennbar ist. Der Bericht der Bibel, dass die alten Kanaaniter die Kinder ihren Götzen geopfert haben, wird durch aufgefundene Bauopfer aufs neue bestätigt. Der Vortragende ist der Meinung, dass auch in alten jüdischen Zeiten Menschenopser vorgekommen seien, wofür er sich auf die Opferung Isaaks beruft. Er musste aber zugeben, dass Beweise für sine Theorie bei den Ausgrabungen in Megiddo nicht gefunden worden sind.,— Es wäre zu wünschen, dass endlich ein jüdischer Palästinaverein aw. der Erforschung unseres Landes teilnähme, und so einen Teil der Schuld abtrüge, die wir hier der Kulturwelt schulden. Literaturbericht Die Weisheit des Orients. Band 1—3. Rostock: C. J. E. Volckmann (Valckmann & Wette) 1907. 3 Bände 8 °. 5,50 Mk. 1. Die Lehren des Zoroaster und die Philosophie der Parsen-Religion von S. A. Kapadia, MD. LRCP. Aus d. Eng’l. übers, von A. M. Heinck. (VIII, 122 S.) 8 °. 2 Mk. 2. Das Erwachen der Seele. Nach dem Arabischen des׳ Ibn Tufail. Mit einer Einl. von Dr. Paul Brönnle. Aus dem Engl, übers, /von A. M. Heinck. (114 S.) 8°. 1,50 Mk. 3. Japans Frauen und Frauenmoral von Shingoro Takaishi. Aus dem Engl, übers, von A. M. Heinck. (VI, 70 S.) 8 °. 1,50 Mk. Die drei vorliegenden ersten Bände dieser populären orientalischen Bibliothek sind sämtlich von Annemarie Heinck aus dem Englischen übersetzt und wir dürfen der Uebersetzerin ebenso Dank wissen wie dem Verläge. Es sind drei vorzügliche instruktive Arbeiten ausgewählt und wir können nur wünschen, dass die vorzüglich ausgestattete und billige Samm- Jung in der gleichen Weise fortgesetzt wird. Der erste Band,, in dem Kapadia die auf semitischer Weisheit erwachsene Lehre des Indogermanen Zarathustra darstellt, gibt ein abgerundetes, auf der Höhe des heutigen Standpunktes der Wissenschaft stehendes, rein populäres Bild von der mythologischen Philosophie des grossen Ariers. Das Wesentlichste an dem trefflichen Buche sind, ohne dass die Darstellung damit weniger eingeschätzt werden soll, die Auszüge aus pärsischen Schriften. Die philosophische Robinsonade des spanischen Arabers Ibn Tufail ist den Gelehrten längst bekannt und gehört zu den ersten Schriften dieser Art, die durch englischen Fleiss und britische Gelehrsamkeit in die europäische Wissenschaft eingeführt worden sind. Sie gibt dem Nichtfachmanu einen recht lehrreichen Begriff von der Art der arabischen Philosophie.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.