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Jüdische Rundschau · 1907-10-04 · 15 (4.10.1907) · p. Seite 127

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
15 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 No. 15 L IT ER ATURBLATT; trägen wurde, ging entweder ganz verloren oder fristet nur ein׳ ephemeres!Dasein. ־■־.■.. :' Die Gesellschaft ״Sinai“ gedenkt schon in der nächsten Zeit, : ihr Programm zu veröffentlichen•, und hofft auf die־ tätige Mitwirkung aller Freunde der hebräischen Sprache und aller die■ an die Zukunft des Judentums glauben. Sie gehört keiner Partei an, sondern will dem ganzen jüdischen׳ Volk angehören, allen Juden des Morgen-, undl des Abendlandes. Sie steht 'allen religiösen und■ politischen Kämpfen fern ,und will nicht trennen, sondern vereinigen. Um jedem Juden die Möglichkeit zur Anteilnähme an dei־‘Gesellschaft zu geben, wurde ein Jahresbeitrag von Mk, 10,— festgesetzt; wofür sämtliche Publikationen der Gesellschaft mit einer Ermässigung vön 25%' geliefert werden. ׳•• Beitrittserklärungen, Geldzuwen- ׳ dt!ügen und Anfragen sind zu richten an das Zentralkomitee des ״Sinai‘ : Herrn S. Hurwi'tz, in Berlin W., Kurfürstendamm 51. .Berlin,. In der ,letzten Gesamtsitzung, der königlich preüssiSchen ,Akademie der Wissenschaften berichtete Professor Dr. Eduard Sa chau ,über d.r e i aramäische. Papyrusurkunden des königlichen Museums in Berlin und legte dieselben in hebräischer Umschrift, Ueber- Setzung und ommentar vor. Die Haupturkunde, die in zwei Exemplaren vorhanden,, ist ein Schreiben der Vertreter der jüdischen Gemeinde in . Elep,haut ine an den Statthalter von Judäa, datiert vom Jahre 407; vor . Chr. Geb. Die Schreiber ersuchen den Adressaten um .seine Hilfe zur Er- , •langung■ der Erlaubnis für den Wiederaufbau ihrer 410 zerstörten!ßynagöge. Die dritte Petition berichtet von dem Erfolg der Petition. Im Einzelnen werden die sprachlichen und sachlichen Berührungen dieser Urkunden mit den aramäischen Geschichtsbüchern des Alten Testamentes, den Büchern Esra und Nehemia nachgewiesen. , . Zyr Geschichte der Juden in München. Beim Abbruch des Hauses Kaufingerstrasse 26 in München sind die; Grundmauern und Umrisse eines jüdischen Bades (Mikwah) aufgedeckt ׳, worden, das.־.allem Anscheine nach aus dem Beginne des XIV. Jahrhunderts datiert. Anlässlich der Entdeckung des auch architektonisch bemerkens- ... werten Bauwerkes veröffentlichen die NEUESTEN NACHRICHTEN einen kurzen Abriss der Geschichte der Juden in München, der auch für unsere Leser von Interesse sein dürfte: ״Die Münchener Judengemeinde ist fast so alt, wie die Stadt selbst: finden wir doch schon zu Zeiten Herzog Heinrichs des Löwen eine verhältnismässig nicht unbeträchtliche Zahl von Juden in der jungen,;Siedelung vor. Von. jeder• bürgerlichen Beschäftigung, von. öffentlichen Aemtern und Würden ausgeschlossen, beschäftigten sich diese mit Tauschhandel einheimischer Landesprodukte gegen jene fremden Länder. Da sie, wie überall in Deutschland, das ausschliessliche Vorrecht , des Geldhandels in Händen hatten;,:finden wir sie als Geldgeber des! luxusbedürftigen Adels!, der Ge-ilstlichkeit und der Bürger. In der Grüftstrasse erhob sich ihre Synagoge, die sie!in Anbetracht der unruhigen Zeiten in den Kellerräumen eines Hauses angelegt hatten. Im Jahre 4285, als eben ■ Hungersnot und Seuchen in München wüteten, entstand in den Strassen urplötzlich , das tobende Geschrei, die Juden hätten einem alten Weibe ein Kind abgekauft und dieses in ihrem Bethause mit Pfriemen und Nadel- Stichen zu Tode gemartet. Gierig griff das Volk den Mythus auf, fiel über ״ die Juden her und mordete, wie Meichelbeck in seiner historia Frising. erzählt, ihrer an hundertvierzig jeden Alters und Geschlechts, Herzog Ludwig der Strenge suchte vergebens dem Rasen des blindwütigen Pöbels Einhalt zu tun. Nun glaubte man der verhassten Eindringlinge lediio zu sein; aber gar bald richtete sich das zähe Volk wieder häuslich im demo- . lierten Ghetto ein, baute die abgebrannte Synagoge neuerdings auf und gelangte bald zu erneutem Wohlstand. Zwar brachen in den Jahren T345, 1349 und 1413 neuerliche Verfolgungen aus, doch die Herzoge erstickten das

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