Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 15 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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126 LITERATURBLATT No. 15 ,Zentralkomitees in Berlün, dem eisernen Fond versprochen hat,, sind noch andere ansehnliche Beiträge eingelaufen, durch welche die Gesellschaft in . den Stand gesetzt worden ist, schon jetzt ein bedeutendes Werk ins Leben. , zu rufen. Mit dem 1. Oktober beginnt das Erscheinen der ׳ hebräischen Quartalschrift HEATID, dessen erstes Heft (15 Bogen in Grossoktav stark) jetzt im Druck Vorbereitet wird. Diese ernste Zeitschritt will sich der wissenschaftlichen und ernst-publizistischen Behandlung aller Probleme des : Judentums und des jüdischen Volkes widmen. Die bedeutensten jüdischen Gelehrten und chriftsteller, alle, welche über Juden und Judentum in ge-, diegener Form etwas zu sagen haben, werden als Mitarbeiter des ״Heatid“ herangezogen werden. Die jüdischen Denker und Forscher, welche nicht hebräisch schreiben, werden Gelegenheit erhalten, ihre Geistesprodukte . durch gute Uebersetzungeh zu veröffentlichen. Die Zeitschrift HEATID, die' in Berlin erscheint, wird das Organ der Gesellschaft ״Sinai“ sein, die ebenfalls ihren Sitz in der deutschen Hauptstadt hat. Von da aus sollen alle Kräfte im jüdischen Volke zur Pflege der hebräischen Sprache und Literatur organisiert werden. Nach den ersten vorbereitenden Arbeiten zur zwreckmässigen Einrichtung dieser Organisation gedenkt die Leitung der Gesellschaft mit Hilfe der hervorragenden geistig Schaffenden des. jüdischen Volkes ein umfassendes Programm zu entwerfen. Es wird beabsichtigt, das bereits Vorhandene, was in der hebräischen Literatur von bleibendem Werte ist, volkstümlich zu machen, und dasjenige, was nicht mehr mit dem Bewusstsein unserer Zeit zu vereinbaren ist, dadurch vom ׳ Untergang zu retten, dass sein sprachlicher und kultureller Inhalt in einer ,geeigneten Form'aufbewahrt werde. Ausserdem sollen gediegene Schriften zeitgenössischer Gelehrter und Forscher auf dem Gebiete der Bibelforschung der Religionsgeschichte, der Religionsphilosophie, der jüdischen Geschichte, des geistigen Lebens des jüdischen Volkes überhaupt mit Hilfe der Gesellschaft publiziert werden. Die Leitung geht von dem Standpunkt aus, dass die Lage unseres Volkes, seine weitgehende Zerstreuung in allen Weltteilen, wohl die Schaffung einer jüdischen Literatur in verschiedenen Sprachen zur Notwendigkeit macht. Diese Literatur bringt gewiss grossen Nutzen und wirkt erspriesslich. Aber andererseits liegt die Gefahr vor, dass die Judenheit dadurch kulturell immer mehr zersplittert wird. Ehedem pflegten jüdische Gelehrte und Schriftsteller hebräisch zu schreiben, wodurch die Juden in allen Ländern eine gemeinsame Volkstribüne und eine, wenigstens! der Behandlung des Judentums, einheitliche Bildungsstätte־ hatten. Im 19! .Jahr-"•' hundert kam für die Wissenschaft des Judentums und für die jüdische Literatur neben der hebräischen auch die deutsche Sprache auf, welche letztere damals fast von allen Juden des Abendlandes verstanden wurde. Seitdem haben sich die Verhältnisse stark geändert. Die deutsche Sprache - wird nur noch von einem kleinen Bruchteil der Judenheit verstanden. Wir , haben, nunrnehr eine jüdische Literatur auch in englischer, französischer, itlienischer, holländischer, ungarischer und russischer Sprache. Es ist dahin; gekommen, dass wir einander nicht .mehr verstehen, und was noch schlimmer ist, dass wir Juden unsere Gedankenarbeit zehnmal verrichten und uns darin bis zur Ermüdung wiedeholen. ־ Wir müssen zur hebräischen Sprache zurückkehren, sie zum. Organ unserer geistigen Einheit,. zur Form ,unseres - gemeinsamen Kulturlebens machen. Die hebräische Sprache hat sich im ganzen Verlauf unserer. Geschichte als Sprache unseres geistigen'Schaffens-bewährt, ,Alle Versuche,, das Judentum in einem fremden Gewände zu stabilisieren, haben, nur! dem . Charakter des Provisoriums; die fremden jüdischen Literaturen haben -nur.'! eine zeitliche und. örtliche Wirkung aufzuweisen. Was ist im Laufe, der• Jahrhunderte aus der inhaltvo.llen jüdisch-griechischen und jüdisch-aräbi-!.• sehen Literatur geworden? Was nicht rechtzeitig ins Hebräische über-