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Jüdische Rundschau · 1907-10-04 · 15 (4.10.1907) · p. Seite 128

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
15 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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No. j 5 123 LITERATURBLATT Uebel im Keime. Eine ernsthafte Verfolgung: sah erst das Jahr 1442, alhvö Herzog Albreeht 111. diie Juden ״ihres unmässigen Wuchers halber“ aus München vertrieb und ihre Synagoge dem Leibarzt Hans Hartlieb schenkte. Dieser richtete das Haus zu seiner Wohnung ein und erbaute dabei zugleiich einen Betsaal, indem er ein aus Italien mitgebrachtes Madonnenbild aufvtellte. Dieser Betsaal, im Voiksmunde ״Gruftkirche“ genannt, veriiel 1805 der Säkularisation. Dass sich die Israeliten trotz des Verbannungs- Ediktes bald wieder iin München einfanden, beweist uns die Gesetzgebung, in der wir allerlei Paragraphen aufgezählt finden, die erschreckende Blicke in den Eanatismus jener finsteren Zeit gestatten. -So war z. B. derjenige, der das harsträubende Verbrechen beging, mit einem Juden zu baden, zu essen, «cu trinken oder gar bei ihm zu dienen, mit dem grossen Kirchenbann bedroht. Christ und Jüdin, oder umgekehrt, die sich mitsammen vergingen, endeten gemeinsam auf dem Scheiterhaufen. Aeusserst streng waren die Kleidungsvorschriften. Die Gewänder der Juden des Mittelalters mussten von gelber Farbe sein; dazu waren gelbe, kegelförmige oder hornartig gebogene Hüte vorgeschrieben. Mit harter Strafe wurde es geahndet, wenn die Israeliten Waffen mit sich führten, Schmuckgegenstände irgendwelcher Art trugen oder wertvolles Pelzwerk an ihre Kleider hefteten. Erst zu Beginn des XVI. Jahrhunderts begann eine Lockerung dieser strengen Vor- Schriften platzzugreifen, und zu Ende jenes Jahrhunderts finden wilr den Juden in die allgemein gütige christlilche Tracht gekleidet; doch war er gehalten, auf der Brust einen gelben Ring aus Tuch oder Leder in der Grösse einer Handfläche zu befestigen, während den Jüdinnen eiln blaugestreifter Schleier als Abzeichen diente. Diese kleidlichen Abzeichen erhielten sich bis fast zum Beginne des XVIII. Jahrhunderts. Mit der Vergrösserung der Stadt vermehrte silch trotz des Verbannungsverbots auch die Zahl der Israeliten. Nach der Wiedereinsetzung Max Emanuels mussten sie laut Ver- Ordnung vom 22. März 1715 innerhalb 24 Stunden das Land räumen und noch unter Maximilian III. war ihnen die Feier des Laubhüttenfestes streng untersagt. Auch waren sie ausserdem einem Leibzoll unterworfen. Im Jahre 1791 wurde dieser Leibzoll von fünf auf zwanzig Kreuzer tägliche Abgabe erhöht. Von dem Kaufe liegender Güter waren sie gänzlich ausgeschlossen. Doch allmählich gestalteten sich die Verhältnisse milder. Jenen Juden, welche ein hinreichendes Vermögen besassen, wurde die Ansiedelung in München erlaubt, der Leibzoll ward stillschweigend aufgehoben. Gegen eine jährliiche Abgabe von 500 fl. an die Armenkasse wurde ihnen auch die Feier des Laubhüttenfestes gestattet und zugleich erlaubt, dass die jüdischen Frauen ihr Wochenbett in München halten durften, was ihnen früher verwehrt war. Im Jahre 1783 befanden sich nur 56 Juden im München, 1788 waren es 124, 1799 135, 1801 aber 263. Diese schon ziemlich zahlreiche Gemeinde hatte weder Synagoge, noch ' Rabbinerwohnung, nch Begräbnisstätte; ihre Verstorbenen bestattete sie in Kriegshaber bei Augsburg. Im Jahre 1816 wurde der israelitische Friedhof an der Thalkirchnerstrasse angelegt, nachdem der frühere, an der Dachauerstrasse gelegene während des von 1442 bis zum Anfänge des XIX. Jahrhunderts dauernden Exils ausser Gebrauch gekommen und vielfach überbaut worden war. Eine Synagoge wurde 1826 an der Theaterstrasse (jetzt Westenriederstrasse) nach den Plänen des Baumeisters Metivier erbaut; sie verdankte ihr Entstehen dem Grosshändler M. Pappenheimer. Der rasch aufblühenden Gemeinde wurde dieses Gotteshaus allmählich zu klein, und so erbaute Albert. Schmidt im Aufträge der Kultusgemeinde in den Jahren 1884—1887 die neue Synagoge in der Herzog-Maxstr. Dieselbe fasst über 2000 Personen. Die alte Synagoge wurde abgebrochen. Zum Schlüsse dieser flüchtigen Skizze sei noch eine kurze Statistik der wachsenden Gemeinde angeführt: 1824 war die Zahl der Juden auf 592 angewachsen, 1830 belief sie sich auf 855, 1875 aber bereits auf 3475, 1890 auf 6108 und ist schliesslich im Jahre 1905 auf 10 056 gestiegen,“

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