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Jüdische Rundschau · 1907-10-04 · 15 (4.10.1907) · p. Seite 124

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
15 (4.10.1907)
Date
1907-10-04
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 No. 15 LITERATURBLATT als auf dem Wege zum andern Glauben erkannt und anerkannt zu werden. Aber wir müssen das Jundentum und die alten jüdischen Formen so in die moderne Zeit hineinstellen, dass sie dem Judentum neues LebeiJ :zu geben vermögen. Unser Bestreben ist?es nicht, das Hebräische in unsern Gotteshäusern und in! unsern Familien abzuschaffen oder einzuschränken, wohl atfer müssen wir dort, wo jede Kenntnis des Hebräischen verloren gegangen ist, die Liebe zu unserm Judentum in der Landessprache pflegen, damit von hier aus ein neuer Lebensborn für das Hebräische quelle. In diesem Sinne beginissen wir Grunwalds Beruria aufs lebhafteste. Denn es denkt keineswegs den hebräischen Gebetbüchern in irgendwelcher Form den Rang streitig machen. Es will vielmehr Verständnis dafür pflanzen, dass die hebräische Sprache und das hebräische Gebet den Kindern des hebräischen Volkes natürlich und notwendig ist. Es will durch Poesie das Gemüt veredeln und erheben und es will im jüdischen Sinne unsere Frauen und Töchter erziehen, die dieser Erziehung so sehr bedürfen. Die Tauferei in Wien und die Tauferei in Berlin, die hier den Galizischen, und dort den Posenschen Juden eine sehr schlechte moralische Note gibt, muss alle Mann auf Deck rufen. Im Streite für die Erhaltung des schwer gefährdeten Judfintums soll Grunwalds Andachtsbuch eine gewichtige Waffe sein. In diesem Kampfe wird siie mit Erfollg gebraucht werden, wenn wir uns auch nicht verhehlen, dass der Charakter des ״Siddur“ und des ״Machsor“ in dieser Richtung noch weit wirksamer sein müsste. Denn während Beruria wie alte derartige ״Techinnot“ ei!n.e|n rein persönlichen Ton anschlägt, so sind die hebräischen Gebetbücher weit von allem Persönlichen entfernt. Sie reden stets für das gesamte Volk. Im Tischgebet bedanken wir uns für die Speise, die unserm Volk zuteil wird und für das Land, das uns und unsern Vätern gegeben wurde. In der Schemone-Essre vollends ist doch überhaupt nichts Persönliches und so geht es durch alle überlieferten Gebete hindurch. Das ״betende Ich“ ist wie in den Psalmen die Volksgesamtheit. Und darin llijegt der gewälfigfe Wert des synagogalen Gottesdienstes in der altüberlieferten Form für die Erhaltung des jüdischen Volkes. Aber gegenüber allen bisherigen Versuchen in dieser Richtung ist Grunwalds Andachtsbuch ein so gewaltiger Fortschritt auch in dieser Beziehung, dass wir nicht tadeln sollen. Zum lersen Male liegt ein wirkliches jüdisches Frauengebetbuch vor, dessen Form modern und dessen Inhalt jüdisch iist, ein Buch in bester Auswahl und in prächtiger Sprache. Wir bedauern, dass wir nicht für alle diese schönen Stücke die Quelle kennen und wir hoffen, dass bei hoffentlich recht baldigen zweiten Auflage uns auch ein Index mit Quellennachweisen gegeben wird. Wir brauchen dem Buche keimen guten Erfolg wünschen. Ein so gutes Buch erwirbt sich von selbst die Freunde, deren es bedarf. Aber es hat uns gefreut,

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