Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 15 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8295971-9046061-8238391--581-8190200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
123 Nö. 15 LITERATURBLATT suchen. Es wird sicher fromme Laien geben, diie Wohlgemuths Schrift als ein Werk profunden Wissens und scharfer Dialektik anstaunen; der Kundige kann sie nur mit einem Gemisch von Lächeln und Unmut lesen. . S0111te.es wohr sein, dass Judentum :und moderne Erkenntnis sich nicht besser vereinigen lassen, als es Wohlgcniutli tut? Hier liegt.die jüdische Seite der Trage, die uns zur Besprechung dieser Probleme veranlasst hat. Die jüdische Tradition V11 erhalten, ist ein Bestreben, dem grade wir Nationaljuden mit dem tiefsten Verständnis gegenüberstehen; aber es wird der jüdischen Tradition ein schlechter Dienst geleistet, wenn sie von den ,,Rechtgläubigen“ mit Dogmen umgeben wird, die im Widerspruch zu jeder Wissenscchait stehen. Eine Schrift wie die Wohlgemuths wird nicht einen einzigen Zweifelnden festhalten, sondern ihm grade durch ihren unerträglichen Geisteszwang, durch ihren Kampf gegen Logik und Wissenschaft ins Lager des Unglaubens drängen und damit auch der jüdischen Sitten- und Gesetzestradition, abwendig machen. Aber glücklicherweise können die uralten jüdischen Sitten und Gesetze auch neben der freiesten Erkenntnisfreudigkeit bestehen. Sie sind Volksgut, nationales Milieu. Wäre es so wie W. meint, dass von der buchstäblichen Auffassung des biblischen Schöpfungsber.ichtes das Schicksal der jüdischen Tradition abhängt, das gäbe eine traurige Prognose für den Bestand des Judentums im Zeitalter der Naturwissenschaft. Aber unsere jüdischen Päpste sind weit päpstlicher als der katholische. Dieser lässt gewisse kritische Methoden der religionsgeschichtlichen Forschung zu, wir dürfen es nicht. Wir sind weit jesuitischer als der Jesuitenpater, der billidIi!che Deutungen dort gelten lässt, wo wörtliche mit der Wissenschaft in Widerspruch.' kommen. Jedoch das Judentum war immer bisher lebendige Ent- Wicklung, nicht, toter Buchstabe, und darum ist es höchste Zeit,' dass wir historisch-traditionelles Judentum von orthodox-dögmatiV schein säuberlich scheiden. Literaturbericht Beruria. Gebet - u 11 d A n d a׳ c 111 s b u c 11 f ii r j ii d i s 'c h e F r a u en .11 nd M ä d c 11 en.. Von Dr, Max (irunwakl. . Wien; Jos., Schlesinger 1907• (XI, 663 S.) 8. , . Man mag sich zur .Frage dter.E0.rm des;, häuslichen und synagogalen Gottesdienstes stellen, wie m.a:n wolle, man :wird erkennen, dass heute bereits jn ganz West-Europa die• Formen bereits so gändert sind, dass man ihnen wenigstens insofern Rechnung tragen muss, als das Judentum und der jüdische Geist dadurch nicht tan-, giert, werden. Wir!leimen die Aendern-ng -jüdischer Bräuche ab, die lediglich aus dem Grunde erfolgt, um hei den Andersgläubigen