Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 15 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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122 No. 15 LITERATURBLATT existiert, dass die Fische eine jüngere Entwicklungsstufe darstellen als die Würmer etc. Wozu über all das streiten? Wozu vor allen Dingen einen Ausgleich versuchen? Wohin das führt, sieht inan hier deutlich genug: Zu einem erquälten Rationalismus schlLimmster Sorte, de? sich durch Gebrauch einiger , naturwissenschaftlicher Kunstausdrücke ein fadenscheiniges Mäntelchen von Afterwissenschaft umhängt. Glaubt W. wirklich, dass das gewaltige Problem der ,Organismenähnlichkeiten und Verwandtschaften durch dikse Spitzfindigkeiten irgendwie, gefördert wird?; Wir ־wollen hier nicht den peinlichen Prozess durchführen, jede einzelne״diieser Annahmen als unmöglich nachzuweisen, sondern begnügen uns mit diesen aillgemeinen Hinweisen. Auch die' Ausflucht,' dass e,s sich bei ׳der Verwandtschaft, ,der Organismen nur um eine ideelle, nicht um eine tatsächliche Bluts- Verwandtschaft handeln könne, darf nicht zugelassen werden. Das heisst eben weiter nichts, als die ungeheuren Fortschritte de,r Biologie des XIX. Jahrhunderts einfach leugnen. Diese ״ideelle“, unerlässliche Aehnlichkeit bekommt eben erst einen Sinn, durch die Annahme der Bllutsverwändtschaft. Und hier ist auch-•;der Punkt, den Menschen'־in die Tierreihe׳ einzufügen—: .leiblich ,uatürlieh, — denn Spekulationemiiber die• menschliche Seele ,:sind Sache der Metaphysik, nicht der Wissenschaft. Körperlich gehört der Mensch mit jedem , seiner Merkmale in die Klasse der Säugetiere, Abteilung; Placentarier, und zwar Disco-placentarieh, : Ordnung Primaten. Wolligem ufh nifhfnt für den Menschen einen •besonderen Schöpfungsakt aus u n organisierter Materie an; gut; aber will er das auch in seine ״Wissenschaft“ einreihen־" ־?׳' Für Wasmann und Wohlgemut!! ist nichts ־'beweisend genug im Sinne der Abstammungsleere. Nicht die; früher unerhörte Tatsache, dass Arten ausgestorben,‘ andere im Verlauf der Erdschichte neu erschienen sind, nicht die wundervollen Analogien des biogenetischen Grundgesetzes, nicht die einst völlig unbegreifliehen, jetzt klaren rudimentären Organe, nicht die klassischen Seruniexperimente von Bordet,! Uhlehhuth lind Friedenthal, nicht die Auffindung von Zwischengkede.rn zwischen Tierarten und von Zwischengliedern zwischen Tiferarten und zwischen Affe und Mensch, die heute von' allen ernsten Forschern anerkannt sind. Nichts von alledem, denn ihre These steht schon vorher fest. Es ist wahr-, in der Entwicklungslehre gibt es viele Theorieen, aber sie sind wissenschaftliche, und unter ihnen ist keine einzige, die nicht mit Wasmanns und Wohlgemuths ״Wissenschaft“ in schroffem Widerspuch stände. Darwin hat nicht umsonst gelebt. Seine grundlegenden Anschauungen sind das Fundament der Biologie geworden. Es ist nicht mehr möglich, den Stand des Wissens um Jahrhunderte. zurückzuschrauben, wie Wohlgemutes Aufstellungen — allerdings mit unzureichenden Kräften, — es ver-