Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-09-27 · 14 (27.9.1907) · p. Seite 119

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
14 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8295971-9046061-8238389--576-8190196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 14 LITERATURBLATT 119 regung über die Entdeckung einer Zelle, in der man glaubt, den Ort wiedergefunden zu haben, an dem Jesus vor seiner Kreuzigung gefangen gehalten wurde. Nachdem er von ״den Hohenpriesetern‘ und den Aeitesten verurteilt worden war, übergab man ihn dem Pontius Pilatus (Matth. XXVII, 1, 2); er wurde somit Gefangener der Römer. Der Tempelbezirk, auf dem die Hohenpriester Gericht hielten, war nur durch eine Strasse von dem Antonia- Kastelle getrennt, den römischen Baracken, wo der Statthalter Recht sprach. Die Juden hatten nicht das Recht, die Todesstrafe zu verhängen; darum führte man Jesus zu Pilatus. Die neupntdeckte Zelle nun liegt in unmittelbarer Nähe der ״Ecce homo“ genannten Strasse, die ihrerseits wieder einen Teil der Via Dolorosa bildet. Das Grundstück, auf dem׳ die Entdeckung gemacht wurde, ist Eigentum der griechischen Kirche. Noch vor wenigen Monaten standen armselige Hütten an der Stelle. Als man sie abriss, um für ein neues Gebäude Raum zu gewinnen und mit den Fundamentierungsarbeiten beginnen wollte, stiess man plötzlich auf einen unterirdischen Gang, der in den massiven Felsen geschlagen war. Er erstreckt sich von Süden nach Norden, ist etwa 15 Fuss lang, 10 Fuss hoch und 4 Fuss breit. Man erreicht den Gefängnisraum von Süden, indem man über eine kleine Steintreppe den Gang gewinnt und׳ ihn bis ans Ende verfolgt; er mündet am nördlichen Ende in die Zelle, die nahezu quadratisch ist und an jeder Seite eine Ausdehnung von gegen 7 Fuss hat. Offenbar diente diese 2elle nur einzelnen vornehmeren Gefangenen zum Aufenthaltsort. Unmittelbar unter diesem Raum befindet sich eine zweite, grössere, in der anscheinend die gewöhnlichen Verbrecher gefangen gehalten wurden. Es ist anzunehmen, dass Jesus in dem oberen Raume untergebracht war. Denn nach der Furcht und Besorgnis ״der Hohenpriester“ und der Erregung des Volkes hielten ihn die Römer gewiss für eine hervorragende Persönlichkeit. Neben dieser Entdeckung will man nun aber auch das echte Golgatha gefunden haben. Der englische Generalmajor Sir Charles Wilson, einer der besten Kenner Jerusalems, hat die Schädelstätte identifiziert und die seit Konstantins Zeitens angenommene Stelle als der Logik der Tat- Sachen widersprechend verworfen. Die Evangelien sprachen von Golgatha als der ״Schädelstätte“. Nur Lukas, der Grieche, spricht kurzweg davon, dass sie Christus hinwegführten zu einer Stätte, ״die Schädel genannt wird“. Golgatha ist die aramäische Form des hebräischen ״Gulgoleth“ und bedeutet einfach Schädel. Man bezog diese Bezeichnung auf einen wirkliehen Schädel, der einmal an jenem Orte begraben worden sei oder sein sollte, und ein Grieche, der um den Beginn des dritten Jahrhunderts lange Zeit in Jerusalem weilte, erzählt von einer alten hebräischen Tratdition, nach der Adam an der alten Schädelstätte begraben sein soll. Wilson ist nun der Ansicht, dass die Bezeichnung Schädelstätte andere Ursachen habe als allein die der Sage von Adams Grab. Genau nördlich des Tempels, am östlichen Abhang des Moriahberges, der als Bezetha bekannt ist, hart an der Strasse, die vom Antoniakastell und dem Tempelbezirk ostwärts führt, hat er eine Stätte entdeckt, für die viele gewichtige Gründe sich anführen lassen. Denn merkwürdigerweise zeigt die Gestaltung des Hügels in auffallender Deutlichkeit die Gestalt eines menschlichen Schädels, und dieses seltsame Spiel der •Natur hat schon manchen überrascht, der nickt daran dachte, dass hier ein Zusammenhang mit der ״Schädelstätte“ der Bibel verborgen sein könnte. Leo Herzberg-Fränkel beging am vorigen Donnerstag in Teplitz- Turn in Böhmen in körperlicher und geistiger Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Herzberg-Fränkel, der unter den deutschen Ghettodichtern eine hervorragende Stellung einnimmt, wurde am 19. September 1827 in Brody, der ehemals reichsten Handelsstadt Galiziens, geboren. Seine Geschichten und Bilder aus dem polnischen Ghetto, die unter dem Gesamttitel ״Polnische Juden“ erschienen sind, machten seinen Namen weit über die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.