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Jüdische Rundschau · 1907-09-27 · 14 (27.9.1907) · p. Seite 117

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
14 (27.9.1907)
Date
1907-09-27
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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No. 14 LITERATURBLATT 117 Die Beleuchtung dieser Dinge gibt auch Gelegenheit, die ״Prediger ‘ und ״Kantoren“ Revue passieren zu lassen. Ueber die schmählichen Uebelständle, die hier eingerissen sind und zu dem bitteren Worte von den ״Gemeindebediensteten“ Anlass gegeben haben, ist schon vieles gesagt worden, aber weniges von solcher Offenheit und Schärfe wie hier. Aus dem Lehrer und Leiter der Gemeinde ist ein Schönredner geworden, der vom Vorstand abhängig ist, sein Einkommen hauptsächlich durch Gelegenheitspredigten vermehrt und diese nach der Höhe der Taxe herrichtet. — Köstlich ist auch das Bild, das uns den ״Herrn Oberkantor“ vorführt. Im letzten Teil des Buches wird eine ausführliche Besprechung dies Kaddisch-Gebetes gegeben. Auf die gründlichen historischen Ausführungen des Verfassers wollen wir nicht eingehen. Van hohem kulturgeschichtliehen Wert dagegen ist seine Darstellung des Missbrauchs, der heute mit diesem Totengebet betrieben wird. Auch das Kaddisch wird erkauft, sogar für ״ewige Zeiten“. Es ist eine schöne, ehrwürdige Sitte, wenn d!er Sohn pietätvoll den toten Eltern Kaddisch sagt, es ist fast ruchlos, wenn es als Handelsartikel gilt. Die ״Kaddischsager“, ein ebenso kläglicher moderner Erwerb der Synagogen wie die ״Minjanmänner“, sind zwar auch eine Spezialität der reformierten Gemeinden, der Missbrauch des Kaddisch aber im übrigen grade auch im Lager der Frommen zu Hause. Das Fürther Waisenkadidisch und die fein nach der Höhe der Bezahlung abgestuften Kaddischleistungen palästinischer Schnorrer stehen religionsgeschichtlich um nichts höher als die Gebetmühlen der Tibetaner und die Amulette der Wunderrabbis. Obermeyer’s Buch ist eines von den seltenen, durch die ein echt jüdischer Geist weht. In ihm ist noch religiöses und nationales Judentum ein und dasselbe, und so kann es der frömmste und der freidenkendste Jude mit der gleichen Freude und dem gleichen Gewinn lesen. Elias Auerbach. Thesaurus der hebräischen Sprache. Von E. Ben J e h 0 u d! a. Di© Langenscheidt’sche Verlagsbuchhandlung!veröffentlicht soeben einen Prospekt, dem wir folgendes entnehmen: Das Wörterbuch der ganzen hebräischen Sprach©, das in solchem Umfange das erste Werk auf diesem Gebiete überhaupt darstellt und das nach Urteilen bedeutender Fachgelehrter, die einen Einblick in das Material getan hatten, das hervorragendste Hilfsmittel der hebräischen Sprache zu werden verspricht, soll am Anfang des nächsten Jahres zu erscheinen beginnen. Und zwar wird vorerst in jedem Monat eine Lieferung zur Ausgäbe gelangen, so dass der erste Band mit dem Ende des Jahres 1908 fertig vorliegen wird. In den darauffolgenden Jahren werden dann mehr ausgegeben. Das ganze Werk wird somit um das Jahr 1914 fertiggestellt sein. Das vollständige Werk umfasst 150 Lieferungen von je 48 bis 52 Seiten. Je nach dem Fortschreiten der Lieferungsausgabe werden dann 12 Bände im Umfange von durchschnittlich je 600 Seiten geheftet erscheinen. Je 2 Bände ergeben einen Doppelband (Umfang 1200 Seiten), der in Halbfranz gebunden zur Ausgabe gelangt. Jede Lieferung kostet Mk. 1,70. Der Preis für jeden Einzelband geheftet beträgt Mk. 20,—, für den gebundenen Doppelband Mk. 45,—.

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