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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · 13 (30.8.1907) · p. Seite 110

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
13 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 110 (sequence 6)
Language
German
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LITERATURBLATT No. 13 110 Palästina dienen Auerbach die betreffenden Aussagen der Bibel die er als wichtigste und zuweilen einzige historische Quelle betrachtet. Danach unterscheidet er zwei Gruppen von Völkern, die die Israeliten bei der Eroberung von Kanaan im Lande vorfanden: stammverwandte, die sie teilweise freundlich behandelten und־ mit denen sie sich schliesslich wahrscheinlich ׳,vermischt haben, ohne jedoch dadurch ihren .Rassencharakter wesentlich zu verändern, und rassenfremde Völkerschaften, zu denen sie sich unversöhnlich verhielten und von denen es unsicher ist, ob sie schliesslieh im Jüdischen Volke aufgegangen oder auf andere Weise untergegangen sind. Aus der zweiten Völkergruppe hebt Auerbach 2 Stämme hervor, die nach der Ansicht mancher Autoren auf die Rassenmischung der Juden von ganz wesentlichem Einfluss waren. Die Hithiter, von denen die Juden die Kurzköpfigkeit, und die Amoriter, von denen sie Blondhaarigkeit und Blauäugigkeit geerbt haben sollen. Die Lehre von der Mischung der Juden mit den Hithitem hält Auerbach für unwahrscheinlich, weil dafür sich gar keine Anhaltspunkte in der Bibel finden und kein hithitischer Sprach- und Kultureinfluss auf die Juden sich nachweisen lässt. Schliesslich sind nach Auerbachs Ansicht die heutigen Juden nur Nachkommen der unvermischt gebliebenen Südstämme Juda und Benjamin. Ebenso erhebt er gegen die Amoriter-Hypothese Bedenken. Da Auerbach die semitische Abstammung der Juden für unanzweifelbar hält, bleibt ihm zur Erklärung der unter den Juden in über 80 % vorkommenden Kurzköpfigen die Annähme übrig, dass auch die Ursemiten kurzköpfig waren. Die Pigmentarmut aber (blondes Haar und helle Augen) betrachtet Auerbach als jüngeren, sekundären Rassenerwerb, entstanden durch geschlechtliche Zuchtwahl, unter dem Einfluss des Schönheitsideals der umgebenden Völker. Diesen Ausführungen tritt in demselben Hefte des ARCHIV Prof, v. Luschan in einem 0״ ffenen Brief an Herrn Dr. Elias Auerbach“ entgegen, indem er zunächst seine rein spekulative Methode und damit seine meisten Behauptungen verwirft und ihnen die eigenen auf Naturbeobachtung beruhenden, durch naturwissenschaftlich-anthropologische Methoden gewonnenen Ergebnisse gegenüberstellt. Nach Luschan hatte Vorderasien, d. h. Kleinasien und ganz Syrien bis etwa in die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausend eine durchaus einheitliche Bevölkerung. Diese Leute waren brü'nett, grassnasig und hatten extrem kurze und hohe Schädel mit oft wie abgehackt ausstehendem flachen und steilen Hinterhaupt. Der Typus dieser alten Vorderasiaten hat sich am meisten an den heutigen Armeniern erhalten, aber man findet ihn auch sonst noch überall in Kleinasien und Syrien, in grössten Prozentzahlen dort, wo äussere Verhältnisse der Erhaltung alter Typen am günstigsten waren. Wie diese Urbevölkerung benannt wird, ist unwesentlich: •v. Luschan benennt sie armeno'id, um dadurch der Sache selbst in keiner Weise vorzugreifen. Diese anatomisch durchaus einheitliche Bevölkerung stammt aus Innerasien, und hethitisch wird sie nur bezeichnet mit Rücksicht auf die Ghatti der assyrischen Inschriften oder die Cheta der Pharaonen, die nur kleinere Brocken dieser Menschenrasse bilden, aber sie ist keineswegs mit den an Zahl ganz geringen ״Chittim“ der Bibel zu identifizieren. Die Profilansichten, die in grosser Zahl von den alten vorsemitischen Vorderasiaten erhalten sind, geben ein durchaus genügendes Bild von ihrem wirklichen Aussehen. Sie zeigen eine extrem hohe und extrem kurze Hirnkapsel und grosse Nasen, wie sie noch heute für die Armenier und einen Teil der Juden charakteristisch sind. Mit dieser armenoiden Urbevölkerung kamen um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends aus dem Südosfen einwandernde Semiten und von Europa längs der Donau einfallende thrakische Stämme in Berührung. Die ansässige Bevölkerung empfing von den eindringenden Semiten ihre höhere geistige Kultur, Religion. Sprache

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