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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · 13 (30.8.1907) · p. Seite 111

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
13 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 111 (sequence 7)
Language
German
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und Schrift; ihre körperlichen Eigenschaften aber verloren die Semiten allmählich durch Vermischung mit der armenoiden Bevölkerung derart, dass rein semitische Typen unter ihren Nachkommen von Generation zu Generation seltener wurden. Die grosse Uebereinstimmung der Abbildungen von Assyrern und Babyloniern mit den antiken Abbildungen von Juden und mit dem Typus der heutigen Juden können noch keinen gemeinsemitischen Typus, dem auch die Juden angehören, begründen, sondern höchstens einen allgemein-orientalischen Typus, den niemand leugnen könne und der jedem oberflächlichen Beobachter immer wieder von neuem auffällt. Schliesslich meint Luschan im Gegensatz zu Auerbach auf Grund der wesentlichen physischen Unterschiede innerhalb der Juden nicht eine einv heitliche jüdische Rasse annehmen zu können. Lebensgewohnheiten und Sterblichkeit bei den algerischen Juden. In einer Studie über Massigkeit und Widerstandsfähigkeit der Araber gegen Infektionen und1 andere Erkrankungen (Sobriete et res'istance des Arabes. These Paris 1905.) kommt Bernard Auzimour auch auf die Juden zu sprechen, indem er darauf hinweist, dass jene Widerstandsfähigkeit allein durch die mässige hohe fleischarme, fast vegetabilische und alkoholfreie Lebensweise bedingt und nicht etwa eine Rasseneigentümlichkeit sei. Die algerischen Juden, die doch auch der semitischen Rasse angehören,, aber die französischen Lebensgewohnheiten angenommen haben, indem sie grosse Mengen Fleisch!verzehren und die französischen Trinksitten nachahmen, seien weit davon entfernt, in dieser Beziehung immun zu sein, sie würden im Gegenteil durch Rachitis, Skrophulose, Fettsucht, Gicht dezimiert, während diese Krankheiten bei den Arabern unbekannt seien. H 01 p p e. Juden in Spanien zu Beginn der christlichen Zeitrechnung. In Spanien, das in Mischna und Talmud erwähnt wird, hat sich vor dem Illibiteranischen Konzil zu Elvira (zwischen 300 und 309 n. Chr.), das der Juden bestimmt Erwähnung tat, nur die Grabschrift eines jüdischen Kindes —■ . . . nia Salomonula Judaca — erhalten, die in den Anfang des 3. Jahrhunderts zu setzen ist. Nach den Akten dieses Konzils von Elvira, in denen die Beziehungen zwischen Christen und Juden stark eingeschränkt werden, muss es aber zahlreiche jüdische Gemeinden in Spanien gegeben haben; zu Mahon auf Minarca blühte im 5. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, eine trilingue (hebräisch-lateinisch-griechische) Grabschrift aus Tortosa gehört nach Renan, ins 6. Jahrhundert oder wegen der griechischen noch in frühere Zeit. ־ Zu diesen spärlichen Beweisen vom Aufenthalt der Juden in Spanien vor dem Beginn der drakonischen Gesetze des westgotischen Reiches gegen die Juden (586) ist nun ein neuer getreten. Bei Ausgrabungen in Elche ־— nahe dem Meere zwischen Alicante und Murcia — dem alten Ilici, das durch die herrliche daselbst gefundene, im Louvre befindliche Mädchenbüste ״Das Mädchen von Elche“ wohl bekannt ist, stiess man auf Gebäudeireste und. griechische Inschriftfragmente, über die das zu Bordeaux erscheinende Bulletin Hispanique (Avril-Juih 1907) ausführlich berichtet. Die Trümmer lassen sich als zu einer jüdischen Synagc,ge gehörend teilweise bestimmen, wenn auch eine genaue Scheidung, da ein römischer Bau vorausgegangen ist und ein byzantinischer folgt, noch nicht geschehen konnte. Die in drei Stücken gefundene, wohl zusammengehörige Mosaik-Inschrift spricht von den ״Vorstehern und Aeltesten der Proseuche“ (die allgemein übliche Bezeichnung für den Ort, an dem sich Juden zum Gebet vereinigen). Die Inschrift ist jedenfalls vor düe westgotischen Gesetze zu datieren. Das Griechische ist fehlerhaft; nichtsdestoweniger scheint der Gebrauch dieser Sprache schon für eine frühere Zeit zu sprechen, als der Herausgeber Albertirii annimmt, der sie ins 6. Jahrhundert datieren will. M.

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