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Jüdische Rundschau · 1907-08-30 · 13 (30.8.1907) · p. Seite 108

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
13 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 LITER ATU RBL ATT No. 13 den Szenen, die von des Rabbi Verkehr mit hilfsbedürftigen Menschen handeln, ganz und gar seiner Aufgabe gewachsen — auch dort, wo allerlei kulturgeschichtliche Schlaglichter von aussen her in die stille Gelehrten- Stube einfallen. Wir können ihm deshalb die Stellen verzeihen, an denen er dieses Büch von der Seelengrösse eines Mannes in ein ebenso breites wie frommes Feuilleton verwandelt, in dem er die Sprache der Erbauungsbiicher für die reifere Jugend spricht Die Wirklichkeit der Hauptfigur wird dem Leser umso glaubhafter, und sein Interesse an den Ereignissen, an dem Leben der Juden in iener Zeit umso gespannter, als sich allerlei Zeitereignisse. Sitten und Zustände in den Erzählungen wiederspiegeln. Die wundervolle Szene, in der die Mizwaus in der Synagoge verkauft werden, die Figuren der Juden, die unter Lebensgefahr mit ihrer Ware über Land gehen, des Herrn Grafen, der mit ״seinen“ Juden bald gnädig, bald grausam verfährt, das Brautpaar, das auf den Heiratsconsens warten׳ muss, das Treiben der Räuber im Odenwald, ja die Figuf des Schinderhannes in höchsteigener Person, die Judenhetzen von 1820 und im Hintergrund die Gestalt des grossen Napoleon, die auf alle kleinen Ereignisse ihren Schatten wirft — all das formt sich zu einem seelenvollen Kulturbild aus dem Leben der Juden jener Zeit. Das Buch enthält ein aus dem Vergleich älterer Bilder gewonnenes Porträt des Rabbi Löb in Schwarz-Weiss-Zeichnung. Wir empfehlen dieses Buch nicht als Sabbathlektiire für fromme Frauen oder als Büchlein für die heranwachsende Jugend —- woran leider der Stil zuweilen erinnert —, sondern als ein seelenvolles Gemälde, an dem sich alle die erfreuen sollen, die in das Kulturleben der kleineren jüdischen Kreise in Westdeutschland um 1800 einen flüchtigen Blick werfen und sich an der menschlichen Grösse eines bescheidenen Mannes laben wollen —■ eines Mannes, der vor dem Carlyleschen Typ des Gerechten das voraus hat, dass er wirklich gelebt hat. D r. Sandler. Zur körperlichen Hebung der Juden. Das von Isidor Wolff, Berlin, am III. Jüdischen Turntag in Wien gehaltene Referat ״Die Verbreitung des Turnens unter den Juden“ *) hat nicht nur in den beteiligten Turnerkreisen, sondern auch bei vielen Aussenstehenden Sympathie und Zustimmung gefunden. Gerade wir Zionisten, die wir am besten die Schwachen und Fehler der Juden beseitigen wollen, müssen uns zunächst verpflichtet halten, für eine körperliche Gesundung im Jüdischen Volke einzutreten. Denn nur durch eine aufrechte und physische Selbständigkeit kann das innere Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen geweckt werden. Ich stehe ganz auf dem Standpunkt des Herrn Wolff, dass wir hier von einem weitsichtigeren Gesichtspunkte aus vorgehen müssen und jede parteipolitische Agitation fortfallen muss. Alle jüdischen Kreise, selbst die Assimilanten müssen zur jüdischen Turnersache verpflichtet werden. Es steht nur die Frage offen, wie wir solche Fernstehenden herbei bekommen. Da muss zunächst ausser dem mehr demokratischen Turnen anderer Sport getrieben werden. Kleinere Kreise müssen sich zu Ruder-, Schwimm-, Tennis- und weiteren Sportvereinen, die nur von Juden begründet und in denen nur Juden aufgenommen werden, *) Das Referat ist in; Verlag der jüdischen Turnerschaft als Broschüre erschienen.

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