Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 13 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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106 LITERATURBLATT ז: 1 No Namen der talmudischen Gelehrtengeneration der Amoräer bezeichnet werden. Eine grosse Zahl leichterer und schwerer Uebersetzungsfehler, die nun das wertvolle Werk entstellen, dürfte auf solche oder ähnliche Weise zustande gekommen sein. Dagegen tritt gegenüber einem gewissen sprachlich-philologischen Mangel der kritische Sinn des besonnenen Historikers wohltuend in die Erscheinung. Mit ausserordentlichem historischen Verständnis hat. der Autor die Elohimquelle verfolgt und in ihrer sagengeschichtlichen und historischen Bedeutung gegenüber andern Quellenschriften herausgeschält und dargestellt. Gerade der letzte Abschnitt des Buches, der beinahe wie ein zufälliger Anhang sich ausnehmen könnte, ist hier von besonderer Wichtigkeit. Gewiss er baut sich nicht bloss auf dem Vorhergegangenen auf, er argumentiert und arbeitet mit Unbewiesenem. Aber wenn wir hier überhaupt jemals zur Gewissheit kommen werden, so wird dieses Resultat wahrscheinlich viel mehr in der Richtung der von Procksch angedeuteten Linien liegen, als in den bisher begangenen Wegen. Die Ueberlieferung der nordhebräischen Sage, die von Procksch in ein neues und helleres Licht gerückt worden ist. ist das wertvollste Stück der ältesten israelitischen Ueberlieferung. Das neue Buch von Procksch bedeutet einen weiteren grossen Schritt in der Erkenntnis der Vergangenheit des hebräischen Kulturvolkes.2) Literatu rbericht Judaeus, Der Baalschem von Michelstadt. Frankfurt a. M., Verlag des Israelit, 1907. Ein in mancher Hinsicht interessantes Buch. - Im Mittelpunkt der Erzählungen steht die Gestalt des unter dem Namen des Baalschem von Michelstadt bekannten Rabbi Seckel Löb, Wormser, der zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in dem hessischen Städtchen Michelstadt lebte. Eine Gestalt, deren Eigenschaften für die Begriffe des Gegenwartsmenschen einen Zug ins märchenhaft Idealistische tragen. Ein Idealmensch, an dessen hochragendem Menschentum wir uns umsomehr erquicken, als er nicht das Musterschema eines Moralpredigers, sondern ein wirklicher alter ,JRebbe ‘ war, wie ihn das Judentum früherer Jahrhunderte nicht einmal allzu selten hervorgebracht haben mag. Als ein blutarmer Gelehrter, der für seine rabbinischen Funktionen kein Gehalt bezog und die spärlichen Gelegenheits- Revenuen noch mit dem Chasan zur Hälfte teilen musste, gründet er eine Jeschiwah, die am Ende 70 Bachurim zählte ־—־ also mehr, als die Gemeinde Mitglieder besass —, die sämtlich, soweit sie sich nicht selbst ernähren konnten, im Hause des Rabbi unentgeltlich gespeist wurden; gute Kost f) PL Herstellung des Buches ist eine angemessene. Nur sind bedauerlicherweise zu einem und demselben Exemplar zwei verschiedene Sorten Papier verwendet worden.