Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 12 (9.8.1907)
- Date
- 1907-08-09
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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LITERATURBLATT 103 No. 12 der I uberknlose immer handeln, sei es um Lungentuberkulose, zu der die Erwachsenen das Hauptkontingent stellen, sei es um Gehirn- oder Gehirnhaiittuberkuiose, an der die Kinder am meisten beteiligt sind. Schon der Umstand, dass auch die im Kindesalter häufigen Formen der Tuberkulose bei den Juden eine geringere Frequenz aufweisen, spricht dafür, dass wir es mit einem tatsächlich selteneren Vorkommen der Tuberkulose bei den Juden zu tun haben. Ferner sind ״Erkältungskrankheiten“ bei den Juden seltener. Hierher gehört der akute Gelenkrheumatismus. Da dieser zumeist Ursache der organischen Herzkrankheiten ist, begreifen wir auch deren Seltenheit bei den Juden. Die organischen Krankheiten des Herzens verhalten sich bei den Juden und Evangelischen anders als bei den Kathol'ken, bei denen sie das weibliche Geschlecht weit stärker als das männliehe heimsuchen. Seltenheit der Herzfehler bedingt wiederum Seltenheit von Blutandrang zum Gehirn, Gehirnschlagfluss usw. Zum Teil hängen einige der bisher genannten Krankheiten mit der Beschäftigung zusammen So zum Beispiel Lungentuberkulose, Bronchialkatarrh, Gelenkrheumatismus., Lungenentzündung. Hierher gehören auch die sonstigen gewaltsamen Todesarten, insofern in ihnen die Betriebsunfälle enthalten sind.. Bernerkenswert ist die geringe Sterblichkeit der Jüdinnen an Krankheiten im Wochenbette, insbesondere infektiöser Natur. Um so bemerkenswerter, als Neubildungen׳ der weiblichen Geschlechtsorgane bei den Jüdinnen doppelt so häufig als bei den Christinnen sind. Unter den bei den Juden üblichen Todesursachen ist Alter schwäche am häufigsten. Dementsprechend können wir auch ein häufigeres Vorkommen aller jener Todes- Ursachen erwarten, die erst oder wenigstens zumeist im vorgerückten• Alter zur Beobachtung kommen: Krebse und bösartige Neubildungen, Gehirnblutung, Arterienverkalkung, Emphysem und die Erkrankungen der PA)stata und viele Blasenkatarrhe. Interessant ist, dass auch bei den luden die Sterblichkeit mit zunehmendem Wohlhabenheitsg'rad ihres Wohnbezirkes sich vermindert, dass jedoch bei ihnen die Sterblichkeitsschwankungen nach Bezirken am geringsten sind und mit abnehmendem Wohlhabenheitsgrad des Wohnbezirkes sich immer mehr von der Sterblichkeit der Katholiken entfernt. Der Grund für die geringe Sterblichkeit der Juden dürfte nach Rosenfeld im wesentlichen auf bessere Pflege und Ernährung der Kinder, auf allgemein unter ihnen besser ausgebildeten Familiensinn, der häufig die günstigen Folgen der Wohlhabenheit für die Erhaltung der Gesundheit zu ersetzen pflegt, auf ihre Berufsgliederung, nicht aber auf Rasseneigentümlichkeiten zurückzuführen sein. _ Wann wurde zum ersten Male das Magen-Dawid als Buchschmuck benützt? Diese Frage wurde neulich in einer kleinen Gesellschaft, in der sich auch der Schreiber dieser Zeilen befand, aufgeworfen. Man war allgemein der Ansicht, dass in älteren Druckwerken dieses jüdische Emblem• nicht zu finden sei. Als ich heute mit der Katalogisierung einer umfangreichen, kürzlich erworbenen Bibliothek beschäftigt war, .fiel mir ein Exemplar der zweiten Edition von Salomo n ibn Adra’s Növella’s über’ die talmudischen Traktate Berachoth, Gittin u. Chullin, Amsterdam 17J5. — gedruckt von Nathan F 0 a — in die Hände. Foas Buchdruckzeichen war in dem sehr schön gedruckten Werk mehrmals enthalten. Es zeigt einen Baum, in dessen Geäst sich das Magen-Dawid befindet. Rechts und links vom Baumstamm sind Löwen angebracht. Dieses eben so geschmackvolle wie sinnreiche Buchdruckerzeichen das — im Gegensatz zu ähnlichen Vignetten aus dem 18. Jahrhundert recht gut gezeichnet ist — halte ich für das älteste, welches das ״Magen-