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Jüdische Rundschau · 1907-07-05 · 11 (5.7.1907) · p. Seite 95

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
11 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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•Mo. 11 95 LITERATURBLATT Araber in Palästina. Wir entnehmen dem soeben im Verlage von Ouelle & Meyer in Leipzig erscheinenden Büchlein ״V 0 1 k s 1-e b e 11 i m Lande der Bibel“ von Professor M. Lohr folgenden kleinen Abschnitt: Der A rabc r glaubt sich auf Schritt lind Tritt von bösen Geistern umgeben, deren Zahl Legion, und deren Lebenszweck nur darin besteht, die Menschen bei jeder Gelegenheit zu schikanieren. Manche Leute kommen ganz unter die Gewalt eines solchen Dämons und werden verrückt, Die arabische Bezeichnung für den bösen Geist ist dschinn. der Verrückte heisst madschnün. d. i. der von einem dschinn Beherrschte. Als wirksames Mittel gegen diese Dämonen, gilt, den Schutz eines Mächtigen, Allahs, anzurufen. Ohne das Aussnrcchen seines Namens pflegt der Araber darum kaum irgend eine Handlung vorzunehmen. Bein: Kauf eines Mädchens wird gefragt: bitsammi? — d. h. pflegt sie auch immer den Namen Allahs zu sagen? — denn davon hängen nachher Glück oder Unglück der׳Lamilie ganz wesentlich ab. Gleich bei der ersten Arbeit des Tages, dem Mahlen und Teigkneten, darf die krau es nicht vergessen. Wenn sie aus einem Gefäss Oliven oder Linsen oder dergleichen nimmt, so sagt sie: smälia (Name Gottes). Tut sie das nicht, dann machen die bösen Geister sich über den Vorrat her. Wenn sie etwas bratet oder glühende Kohlen auslöscht oder heisses Wasser ausschüttet, ruft sie: ״Geht fort (nämlich ihr Dämonen), dass ihr euch nicht verbrennt.‘‘ Im Dunkeln haben diese besonders grosse Macht. Dar lim empfiehlt cs sich, beim Betreten eines dunklen Zimmers Allahs Namen zu nennen. Besonders gern halten sie sich auch in Bädern auf. Hier herrscht ja legelmässig nur ein sehr mattes Oberlicht, das durch die Wasserdäimipfe noch verringert wird: dazu hat d;e Temperatur etwas Beängstigendes. Darum gibt cs genaue Vorschriften, wie oft und an welchen Stellen des Bades m!au den Namen Allahs auszusprechen hat. Andererseits gibt cs aber auch Fälle, wo es verboten oder geradezu gefährlich ist, Allah anzurufen. Das ist bei natürlichen Heilquellen, wie z. B. in Tiberias. Hier bereiten nämlich die Geister selbst das Bad. Und da würde es ihnen unangenehm sein, den Gottesnamen zu hören. Das Rufen des Namens konnten sie mit Ausbleiben der Heilung bestrafen. Die. Dämonen wohnen ferner mit Vorliebe in Zisternen. Mir ist hierzu aus neuester Zeit folgender verbürgter Vorfall aus dem mosleniisollen Dorfe El-chadr bei Jerusalem bekannt geworden. In einer Familie starben alle Kinder frühzeitig fort bis auf den einen Soihn Ali. der alle seine Geschwister überlebte. Die Eltern kamen daher auf den Gedanken, in Ah müsse ein Dämon stecken, dier die anderen Kinder töte, und beschlossen eine Austreibung des bösen Geistes. Ali wurde, mit dem Kopf nach unten, in eine Zisterne gehängt und; bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt, in der festen Erwartung, der Dämon werde infolge der Schläge aus dem Jungen hinaus in die Zisterne fahren. Ein anderer, weit verbreitete!־ Aberglaube ist die Furcht vor dem bösen Blick! Man sagt, zwei Drittel aller Gräber seien eine Folge desselben. Ein jeder Mensch soll einen bösen Blicck auf eine Sache. werfen können, besonders aber sind Leute mit hellblauen Augen mit dieser Macht begabt: sind sie auch noch bartlos und haben sie auseinanderstehende Zähne, so gelten sie als ungemein gefährlich. Begegnet man ihnen des Morgens, so ist es das Beste, gleich wieder nach Hause zu gehen: denn das Schlimmste steht auf dem Wege zu erwarten. Aus Furcht vor diesem gefährlichen Blick sieht man daher Fellachenfrauen so oft das Kopftuch vors Gesicht ziehen., wenn sie einem begegnen. Babylonische Keilschriftbriefe. Aus London wird bericlictet: Neues Material aus der reichhaltigen die von den Kuratoren des Britischen Museums herausgegebenen ״Keil- Briefliteratur der Babylonier enthalten zwei soeben erschienene Werke, Schrifttexte von babylonischen Täfelchen im Britischen Museum“ und eine

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