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Jüdische Rundschau · 1907-07-05 · 11 (5.7.1907) · p. Seite 92

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
11 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 LITERATURBLATT No. 11 scheinungen zum Gegenstände seiner Betrachtungen macht, weiss C 0 11 n uns mit jeder Schrifterklärung von neuem zu fesseln. Auch die ״Andachten“ zeichnen sich durch ihre Darstellungsweise und durch ihre Originalität aus. In ihnen werden tiefreligiöse Gedanken dem modernen Menschen schmackhaft vorgesetzt. Die Andachten sind alle schön, die schönsten und tiefsten von ihnen sind wohl ״Über den Wassern“ und ״Die Suchenden“. Wie Gedichte erscheinen die letzten beiden ״Ruth“ und ״Sulamith“. ■— Mit seinem Buche hat C o h n wiederum gezeigt, was er leistet. Und man muss staunen, ob der Entsagungsfreudigkeit eines Gemeinde- Vorstandes, der sich so sehr ins eigene Fleisch schneidet, dass er leichten Herzens einen Mann wie Cohn, den schlaflosen Nächten eines — allerdings christlichen — Gymnasialdirektors opfert. C © h n s Predigten sollte ein jeder anschaffen, zumal das Büchlein auch durch seine äussere Form einen vorzüglichen Eindruck macht. Nur fehlt leider ein Inhaltsverzeichnis. B. B. Rabbi Löwe ben Bezalel genannt der ״hohe Rabbi Löw“ lebt in ungezählten Legenden und Erzählungen fort. Seine sagenumsponnene Persönlichkeit wäre eines modernen Biographen würdig. Wenig bekannt ist, dass er in seinem Buche ״Nezach Jisrael“ das im 17. Jahrhundert zu einer beliebten Lektüre zählte, Anschauungen über die Zukunft des jüdischen Volkes niederlegte, die jenen, welche Theodor Herzl etwa 300 Jahre später in seinem ״Juden- Staat‘‘ veröffentlichte, sehr ähnlich sind. Rabbi Löw schreibt in ״Nezach Jisrael“ (erste Ausgabe gedruckt 1599 zu Prag) ungefähr Folgendes: ״Ein eisernes Naturgesetz erfordert, dass jedes Ding, das sich erhalten wolle, in seinem natürlichen Zustand verbleibe. Für ein Volk besteht ein natürlicher Zustand hauptsächlich im Besitz eines eigenen Landes. Ohne eigenen Boden — kein Volk. Das jüdische Volk muss und wird erhalten bleiben, dennoch ist auch das Exil nur als vorübergehendes Stadium anzuschauen. Das Land der Juden ist — darüber können keine Zweifel herrschen — Palästina. Und dieses Land werden die Juden wieder besitzen, es war ihre Heimat und wird sie wieder sein.“ Diese Anschauung des Rabbi Löwe, der zweifellos ein bedeutender Mann war, ist ausserordentlich interessant. Sie zeigt uns, dass man sich schon vor 300 Jahren mit dem Problem einer rechtlich gesicherten Heim- Stätte beschäftigt hat. Louis Lamm. Literaturbericht Ernst liaeckel. Ein Lebensbild! von Wilhelm B ü 1 s c h e. Volksausg'abe (1—10. Tausend), Berlin und Leipzig1, Verlag von Hermann Seemann Nachfolger. 21S Seiten. Preis 1 Mk. Ernst Haeckel! Man kann ihn verehren oder verabscheuen, gleichgültig an ihm Vorbeigehen kann niemand am Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine machtvolle Gestalt, für׳ Tausende ein Kampfruf, ein Führer im Kampf um Wahrheit und! Freiheit, ein lauterer Charakter ■— wer kann einen von

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