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Jüdische Rundschau · 1907-07-05 · 11 (5.7.1907) · p. Seite 91

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
11 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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LITERATURBLATT 91 No. 11 Zum Schluss kommt Lschdbacher auf das Gleichnis des Paulus, zu sprechen, in ׳dem er die zu Christen gewordenen Nichtjuden ,,Zweige eines wilden Oelbaums ״nennt“, der auf einen zahmen anstelle der aus ihm ausgerissenen Zweige gepfropft und dessen Wurzel und Saftes teilhaftig' geworden sei.“ Das Gleichnis Pauli hinkt. Denn niemals würde ein Gärtner auf einen edlen Stamm wilde Pfropfreiser setzen, Das Gegenteil ist der Fall. Wollte man das Gleichnis seinem Ursprünge gemäss richtig anwenden, so müsste man das Christentum allenfalls mit den aus jüdischem S'tamme kommenden Veredeilungsreisern für den wilden heidnischen Stamm betrachten. Aber Gleichnisse sind eben nur Vergleiche. Das Judentum will aus sich historisch begriffen sein. Wer darin Pfropfzweige erblickt, wer es als Vorstufe zu andern Kulturkreisen begreifen will, trübt sich selbst den Blick und beurteilt das Judentum falsch. Man kann aber gegen das Christentum gerecht sein., ohne das Judentum zurückzusetzen. Wenn man die unumstössliche Tatsache sich vor Augen hält, dass der Mann, dessen das Christentum sich als seines Stifters rühmt, einer der Grossen des jüdischen Stammes war, so kann die gerechte Würdigung, die man dein Christentum angedeihen lässt,, dem Stamme nicht schaden, aus dem er körperlich und geistig hervorgegangen •ist, unid dem er angehört, auch wenn eine spätere Entwicklung seine Anhänger dazu verführte, dem Judentume feindlich entgegenzutreten. Wir dürfen diese Feindschaft der Späteren, uns Stammesfremden, nicht den grossen Sohn unseres Stammes entgelten lassen. Die objektive Geschichte der Juden wird den richtigen Platz noch finden, der ihm in der Geschichte der Juden gebührt. ־ H. S. Suchet mich! Suchet mich, So lebt ihr! Moderne Schrifterklärungen und Andachten von Rabbiner Dr. Emil Cohn. Berlin - Charlottenburg 1907. Virgil-Verlag. 133 S. 8 °. 1,50 Mark. Die sogenannte Suspension des Berliner Predigers Dr. Emil Cohn hat sich als ein Teil von jener Kraft erwiesen, die das Böse will und das Gut schafft. Denn sie hat zur Folge gehabt, dass Cohn eine Reihe seiner Schrifterklärungen und Andachten in Buchform der Öffentlichkeit übergeben hat. Das ist das Gute. Mit der Herausgabe der vorliegenden Predigten bez-weckte Cohn, ein nachträgliches Programm seiner leider nur kurzen Berliner Amtstätigkeit weiteren Kreisen zu entwickeln. ״Was ich gewirkt habe, was ich hoffte und erstrebte, das gebe ich hier in kleinem Ausschnitte. Möge der Leser nicht allzu enttäuscht sein.“ So sagt Cohn in seiner Vorbemerkung. Nun, wir sind nicht enttäuscht. In den ״Schrifterklärungen“ gibt Cohn in herrlicher lebendiger poetischer Sprache und in musterhafter Form die Charakteristik einiget der interessantesten biblischen Gestalten. Die Persönlichkeiten von Abraham, Rebekka, Moses, Bileam, Elia und Mattathia analysiert er in durchaus moderner Weise. Trotzdem er die allbekannten biblischen Er-

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