Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 11 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 LITERATURBLATT No. 11 wegen verfolgt, der• zu den Grossen gerade dieses Volkes gehört. Sie verstehen es beide besser als die Juden, dass es ein weiterer Ehrentitel zu den Geistesgrössen des jüdischen Stammes ist, dass er diesen grossen Dulder und Dichter aus seinen Reihen erzeugt hat. Aber, die Wortführer der protestantischen Theoiogie haben für sich, dass sie von ehrlichem Willen geleitet sind und! nur historische Tatsachen übersehen, weil sie in einem schiefen Gesichtswinkel die Geschichte des Judentums betrachten. Ein .gleicher schiefer Gesichtswinkel ist es, aus dem sie auf die ganze Entwicklung des Alten Testaments sehen und wie sie den Verlauf des biblischen Zeitalters der Hebräer kritisieren. Das hat sie zu der zerstörenden Kritik verführt, die nun doch wohl bald einer historischen aufbauenden Kritik Platz machen wird. Diese Kritik wird sich aller religiösen Rücksichten zu entschlagen haben sowohl der positiven wie der negativen. . Die den eigenen Glaubensvorstellungen entstammenden Bedenken“, von denen Eschelbacher in seinen Schrift über ״Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie“*) spricht, müssen ausscheiden. Denn diese nicht der Wissenschaft, sondern dem Gemütsleben entspringenden Bedenken haben in wissenschaftlicher Betrachtungsweise ebenso wenig Platz wie die entgegengesetzten Erwägungen entstammenden zerstörenden Einflüsse. Mit grosser Sachkenntnis wrendet sich Eschelbacher in seiner Schrift gegen die falsche und von Voreingenommenheit geleitete Auffassung de־׳ modernen Theologie, die im Judentume statt einer eigenen Kulturmacht, die aus sich verstanden und begriffen werden will, nichts anderes sieht als eine ״Vorstufe der christlichen Religion“. Wie unwissenschaftlich wäre eine Betrachtungsweise, die im Römertum eine Vorstufe des Deutschtums sehen wollte. Wie würde der Buddhist angesehen werden, der im Christenturne eine Vorstufe für den Buddhismus erblicken wollte? Aber für das Judentum gelten nun einmal andere Regeln, als andern Völkern und Kulturkreisen gegenüber. In anschaulicher und vo!11 grosser Kenntnis zeugender Darstellung verfolgt Eschelbacher die Entwicklung der wissenschaftlichen Anschauungen über das Alte Testament und das alttestarnentarische Volk. Mit grossen Zügen und doch klar und deutlich entwirft er ein Bild, das sich bemüht, objektiv zu sein, das apologetisch ist und doch danach strebt, in der modernen protestantischen Theologie einen wissenschaftlichen Gegner, aber keineswegs einen Feind zu sehen. So weit Apologetik Wissenschaft ist, wurde Eschelbacher der Wissenschaft gerecht. Dass er das nationale Gefüge des alten und neuen Judentums nicht genügend zu würdigen weiss. verdriesst den am wenigsten, der seine Wirksamkeit kennt, 1die■ diesem nationalen Gefüge mehr Festigkeit gibt, als die Tätigkeit vieler und der meisten seiner Bercufsgenossen. / *) Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie. Ein erw, Vortrag von Rabb. Dr. Joseph Eschelbacher. Leipzig: Fock 1907. (Schriften, hrsg. v 011 ׳ der Gesellschaft zu!״ Förderung der Wissenschaft des Judentums.)