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Jüdische Rundschau · 1907-05-31 · 10 (31.5.1907) · p. Seite 85

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
10 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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LITERATURßLATT 85 N0. 10 geworden, würdelos, sklavisch — ach, und hatten sogar das Verständnis für das Schmähliche ihrer Lage ganz und gar verloren. So findet er sie im Mittelalter, so findet er sie auch in den späteren Zeiten des Exils, so und noch viel elender schliesslich in der jüngsten Vergangenheit zu Berlin. Was er auf seinen Fahrten erlebt, macht ihm grossen Kummer. Eine solche Fortsetzung der alten Geschichte seines Volkes mitanzusehen, vermag er nicht. Schneller, als er beabsichtigt hatte, kehrt er in seine Heimat zurück. ״Und ich Tor“, ruft er aus. ״habe den König Janai geschmäht, und doch ist seine Zeit die Zeit des Glückes gegen diesen Jammer und dieses Elends. O . . . dass doch König Janai lange leben möge!“ Dieses ist, so gut er sich in wenigen Zeilen wiedergeben lässt, der Inhalt ־des Märchens. Das Wesentlichste und Schönste der Erzählung, nämlich die einzelnen Erlebnisse des jungen Jerusalemiten, musste ich freilich im Rahmen einer kurzen Kritik verschweigen. Das sind schön gestaltete Episoden, die wie bunte Bilder am Auge des Lesers vorüberhuschen und die jeder aus eigener Anschauung kennen lernen möge. Ich kann die Lektüre des Büchleins aufs wärmste empfehlen. ״Der Ring des Propheten Elijjahu“ ist kein Märchen von der prächtig naiven Art jener deutschen Märchen, sondern es ist eine Satire im Märchenstil, den der Verfasser allerdings glänzend beherrscht. Auf dem! Gebiete der Märchendichtung, das in der jüdischen Literatur noch wenig bebaut ist. sollte man von Loewe eigentlich mehr fordern, als er bisher gegeben hat. Wo bleiben die anderen Märchen? Bitte aber möglichst wenig Satire, vielmehr harmlose, fröhliche, herzlich lachende Poesie. Im übrigen bin ich entschlossen, den Verfasser in einer Zeitung, die er selbst redigiert, nicht zu loben; ich werde daher tadeln, was an seiinem Buche tadelnswert ist. Ich, tadle das Format und das Papier י׳״יז die Druckfehler. Ein Märchenbuch darf keine Druckfehler enthalten, auch wenn es im Verlag der JÜDISCHEN RUNDSCHAU erscheint. J—n. Die Befreiung Ägyptens von A. Z. Aus dem Englischen übersetzt. Berlin: Puttkammer & iVUihlbrecht 1906. VIII, 128 S. 8 °. 3 Mark. Für die Judenfrage ist Ägypten von hervorragender Bedeutung. Jedes von Muhammedanern bewohnte Land; das sich im wirtschaftlichen Aufstieg befindet, ist mehr als alle christlichen Länder dazu geeignet, heimatlosen und verfolgten Juden ein gastliches Heim zu gewähren Ägypten als arabischer Staat ebenso wie als englisches Kolonialland, ist hierzu im hohen Masse geeignet umsomehr, als es in unmittelbarer Nähe des Landes liegt, dias den Juden einmal die Lösung der Judenfrage bringen muss. Aus diesem Grunde hat das vorliegende Buch für die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU besonderes Interesse. Denn wenn es auch ein politisches Buch ist. das einem׳ ganz bestimmten Zwecke dienen soll, nämlich die Räumung Ägyptens durch diie Engländer zu propagieren, so kommt es doch für uns durch die Sachkenntnis in Betracht, mit der!die ägyptischen Verhältnisse beurteilt werden. Freilich wird sich der Autor sehr wohl bewusst sein, dass die idealen Motive, die er hierzu anruft, von viel gewichtigeren realen Beweggründen aufgewogen werden. Der Besitz Ägyptens, däs den Schlüssel nach Indien birgt, ist für England eine Lebensfrage und es wird Ägypten ebensowenig freiwillig räumen, wie Karthage freiwillig die italienischen Inseln des Mittelmeeres räumte und; räumen konnte. ,,ich hin keiner von denen, die meinen, :dass! alles, was in Ägypten seit 1882 geschehen ist. Engländern zu verdanken sei. Ich bin der erste, der die sehr bedeutende Rolle anerkennt, die bei der Wiedererweckung des Landes Einheimische undl andere Europäer gespielt hahgn. Ich glaube nicht, dass die unbegrenzte Fortdauer der britischen Herrschaft in ihrer gegenwärtigen Gestalt für die sch'liessliche Wohlfahrt des Landes eine wesentliche Notwendigkeit ist.“ Diese Meinung Lord Milners verficht auch der Verfasser der ״Befreiung Ägyptens“. Seinem, Empfinden nach hat England sein Werk voll-

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