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Jüdische Rundschau · 1907-05-31 · 10 (31.5.1907) · p. Seite 84

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
10 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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No. 10 84 LITERATURBLATT Natürlich sind! überraschende Neuentdeckungen auf einem so׳ oft abgehandelten Gebiete ausgeschlossen; aber Wassermann bearbeitet das vorhandene statistische und literarische Material über die Kriminalität der Juden in Europa und den Vereinigten Staaten, und im speziellen in Deutschland und Oesterreich-Ungarn, ihre Ursachen und ihre Entwicklung, in klaren und interessanten Ueberblicken. Der wissenschaftliche Hauptwert der Arbeit liegt in der neuen mathematischen Methode der Kombination von Beruf, Konfession und Kriminalität. Ausgehend von der ״Spezifischen Kriminalität eines Berufes“ und der Berufsgliederung' der deutschen Judenschaft» berechnet er die ״Soll‘ -Kriminalität der deutschen Juden, vergleicht sie mit der tatsächlich vorhandenen ״Ist“־Kriminalität, und findet daraus die ״Spezifische Kriminalität der Juden“. Als Resultat seiner Untensuchung ergibt sich für Deutschland: 1. dass die Kriminalität der Juden nicht wesentlich von der Kriminalität abweicht, die nach ihrer!Berufsverteilung zu erwarten ist; 2. dass die Juden bei den meisten Delikten eine günstigere Kriminalität aufzuweisen haben, als nach ihrer Berufsverteilung zu erwarten wäre. Hiervon machen nur drei Delikte: Meineid!, Betrug und Wucher eine Ausnähme; 3 aber auch bei diesen stellt sich ©in immer stärkeres Annähern an ihre Soll-Kriminalität heraus; die Kriminalität der Juden ist immer weniger ״Traditionskriminälität“ und wird immer mehr ״Berufskriminalität“. Ausserdem macht sich auch die zunehmende berufliche Assimilation der Juden an die übrige Bevölkeiung i!n Deutschland geltend, indem sie die allgemeinen Krinminalitätsziffern der Juden und der Christen einander von Jahrzehnt zu Jahrzehnt näher bringt. ״Die Kriminalität der Juden eines Landes ist nichts Festes; sie ist vielmehr das Produkt sozialer Verhältnisse, auf das Rasseneigentümlichkeiten. wenn überhaupt, nur in einem׳ ganz geringen Masse einwirken.“ Die Arbeit Wassermanns kann allen, die sich für den gegenwärtigen Zustand der deutschen Judenschaft interessieren, sowie allen Freunden der Statistik nicht warm genug empfohlen werden. Hoffen wir nur. dass auch die noch zu promovierenden jüdischen Doktoren sich immer mehr jüdischen Gegenständen zuwenden und sie in gleich vorzüglicher Weise bearbeiten. Dr. H. G. He y m a n n. Der Ring des Propheten Elijiahu. Ein Märchen von Heinrich L 0 e w e. Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU 1906. Das Märchen erzählt von einem jüdischen Jüngling aus der Zeit dies schlechten und1 verräterischen Königs Janai Alexander. In jenen Tagen befand sich das Judenvolk in einem traurigen Zustande des Verfalls. Der Weinstock und der Palmbaum und alle Bäume und Sträucher klagten und weinten, und der jugendliche Held des Märchens, der Sohn des edlen Jekutiel. war tief betrübt über die Erniedrigung seiner Nation und gedachte wehmütig ihrer herrlichen und ruhmreichen Vergangenheit. Da fand: er keinen anderen Trost als die Hoffnung, dass es in künftigen Zeiten wieder besser werden würde, und er spielte mit dem Gedanken, wie schön ׳es doch wäre, wenn er jene glücklichen Tage erleben könnte. Er gäbe was darum, wenn er stürbe und nach etwa 2000 Jahren noch einmal auf die Welt käme. Während dieser Wunsch sein Gemüt erregte, erschien ihm dler Prophet Elijjahu in Gestalt eines grossen alten Mannes, um sein Begehren zu erfüllen. Er gab ihm einen Zauberring, der die Eigenschaft besass. ihn in jede Zeit der Zukunft zu versetzen, sobald er ihn von rechts nach links drehe. ״Drehst du ihn aber umgekehrt von links nach rechts, so .setzt er dich in die gegenwärtige Zeit zurück, aber seine Kraft ist erloschen.“ Ben Jekutiel nimmt die Gabe des Propheten dankbar an und׳ lässt sieh, mit Hilfe׳ des Ringes in die verschiedenen Epochen der Zukunft tragen und findet sein Volk in immer anderen, aber stets kläglicheren Verhältnissen. Die Nachkommen der stolzen Krieger waren verkümmerte Krämer

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