Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 10 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No io LITE RATURBLAT T_8a werde, in denen die Ghettomauern gefallen sind, nicht weil man aus Gnade und Barmherzigkeit von den andern angenommen wurde, sondern weil die Freiheit wieder keimt, die vor zwe;i Jahrtausenden abgehauen wurde. Die Lieder des Lebens lassen uns das Leben ahne!n, das der Dichter erträumt. Eine, weiche Wehmut, ein starker Trotz, eine tiefe Innigkeit klängt aus den Liedern des Ghettos die uns Rosenfeld gedichtet hat. Das innigste und schönste ist unstreitig sein Gedicht ״Mein Jüngele“. Die Uebersetzung bleibt hier aber so ungeheuer hinter dem Original zurück, dass man aus ihr überhaupt keinen ״Täam“ von dem wirkichen Gedicht bekommt. Das mag nicht am Uebersetzer liegen. Denn je grossartiger die Dichtung im Dialekt ist, um so schwieriger ist sie zu übersetzen und am allerschwierigsten ist die zugehörige Schriftsprache. Fritz Reuter im Hochdeutschen! — Gleichwohl muss die Arbeit und Kunst des Uebersetzers anerkannt weVden, wenn man sich ..auch bewusst sein muss, dass die Uebertragung immer nur einen schwachen Begriff von der Rosenfeldschen Kunst geben kann. Ganz anders ist ihm der Illustrator nachgekommen. Lilien hat mit seinem Griffel zum zweiten Male die Rosenfeldschen Lieder gedichtet und hat sie in seinem Schwarzweiss sichtbar erstehen lassen. Feiwels Uebersetzung von Rosenfelds Sturm ist gewiss die beste Leistung des Uebersetzers in dem ganzen Band, sie ist wirklieh ein schönes Stück vorzüglicher Uebersetzungskunst, aber sie erreicht weder das Original noch ist sie annähernd ihm so nahe gekommen, wie die ergreifende Zeichnung des Sturmes von Lilien. Alles in allem aber ist das vorzüglich ausgestattete Buch in seiner neuen Ausgabe wohl dazu angetan, dem Kultureuropäer einen besseren Begriff von jüdischdeutscher Kunst beizubringen als eine verhunzte Aufführung eines schlechten bundistischen Stückes im Schillertheater Berlin N. Möge die neue Ausgabe dem .kranken und erblindeten Dichter recht viele neue Freunde bringen, damit er die Glut empfindet, die er selbst in den Herzen seiner Stammesbrüder entzündet hat. Heinrich Loewe. . Literaturbericht Beruf, Konfession und Verbrechen. Eine Studie über die Kriminalität der Juden in Vergangenheit und! Gegenwart von Dr. Rudolf Wassermann. (Statistische und national-ökonomische Abhandlungen, insbesondere Arbeiten aus dem statistischen Seminar der Universität München. Herausgegeben von Dr. Georg’ von Mayr. München 1907. Ernst Reinhardt. Verlagsbuchhandlung.) Vorstehende Arbeit verdankt ihr. Entstehen den Anregungen, die der Verfasser im Verein für Statistik der Juden in München erhalten hat und wir dürfen uns freuen, dass die erste literarische Arbeit, die uns der Münchener Verein beschert auch die erste gründliche und wissenschaftliche Behandlung der Kriminalstatistik der Juden ist.