Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 9 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. y LITERATURBLATT 75 Literaturbericht מורה דרך Leitfaden zur Vorbereitung für die Barmizwah, zugleich ein Wegweiser für Schule und Haus nebst 60jähr. Kalender (1890—1950). Unter Mitwirkung von Rabbiner L. Höxter, Direktor der Religionsschule Beth Zion. hrsg. von Dr. A. Qarbatti und Jos. Feuerring. 2. verrn. und verbesserte Auflage. Berlin: M. Poppelauer 1907.*) VIII, 107 S׳. gr. 7. Die beste Bezeichnung, die wir dem Buche geben könnten, wäre die eines recht praktischen und brauchbaren Kommentars zum jüdischen Gebetbuch für den Schulgebrauch. Wir wollen die Fehler nicht verkennen Es fehlt jedes natürliche geistige Bindeglied in der Darstellung, aber in seinen abgerissenen Sätzen gibt es eine Fülle des Materials für dien Unterricht in den jüdischen Bräuchen und Satzungen. Die Verfasser haben recht gut verstanden, dass das nicht Religion ist und da auch sie unter dem! liberalen Dogma leiden, das das Judentum eine Religion statt einer stammestümlichen Kultur sein lässt, so wollen sie partout jüdischen R © Fi g i 0 n s unterricht geben, während sie in Wahrheit nationale jüdische Formen zur Darstellung bringen. So kommt es, dass sie in lebhaftem Empfinden dieses vermeintliehen Mangels einen Ersatz schufen in der Aufnahme der bekannten j5 Sätze, die seinerzeit vom, Deutsch-Israelitischen Gemeindebund a_ls Ersatzjudentum fabriziert wurden, um das Judentum in eine abstrakte ethische Kultur zu verflüchtigen und zu destillieren. Dass diese 15 Sätze himmelweit unter der Höhe der jüdischen Ethik in ihrer nationalen Grossartigkbit stehen, da sie einseitig vom Abwehrgedanken eingegeben sind, soll und darf nicht den Verfassern dieses Lehrbuches vorgeworfen werden. Aber sie hätten besser getan, das Gewäsch nicht mitabzudrucken. Die hebräischen Wörter sind, soweit sie transkribiert sind in Umschrift nach aschkenasiseher Aussprache wiedergegeben worden. Wir halten das für nicht empfehlenswert. Aber in dieser aschkenasischen Aussprache heisst das Wort הפטרה Haftoroh, ebenso wie in der sefardischen Haftarah. Die Aussprache Haftorah ist ein auf Unwissenheit beruhender Sprachgebrauch in Berlin, den die Verfasser nicht hätten übernehmen sollen. Dass die Verfasser sich nicht überlegt haben, wie das Wort wirklich heisst, sieht man an ihrer hebräiischen Schreibart mit einem ו Die Ähnlichkeit des Wortes Torah hat zu der falschen Aussprache geführt. Dass sie nicht immer aschkenasisch transkikieren sieht man an der Pluralform, die bei ihnen Haftorot heisst, und die aschkenasischTiaftoraus, sefardisch Haftarot heissen würde. Ebenso passen die jüdischdeutschen Ausdrücke Gaumel benschen, Lajnen und ähnliche nicht mehr in den Rahmen des Buches. Doch wir wollen keineswegs mäkeln, sondern unter Hinweisung auf die kleinen Schönheitsfehler das Buch für den Barmizwahunterricht als recht praktisch empfehlen. Zeitschrift für Religionspsychologie. Grenzfragen der Theologie und Medizin. Herausgegeben von Oberarzt Dr. Joh. Bresler und Pastor Gustav Vorbrodt. Band I, Heft 1. Halle a. S. Verlag von Carl Mar hold. 1907. Der tote Möbius wirkt stark über das Grab hinaus. Seine Forderung, dass der Arzt ausziehen solle, um Eroberungen auf fremdem Gebiet zu machen und sein Reich zu erweitern, hat Gedanken, die viele unbewusst hegten, zu einem Programm zusammengefasst. In der Tat, niemand kann so tief in die wirren Klüfte der menschlichen Seele dringen als der psychiatrisch geschulte Arzt. Die Kenntnis des Krankhaften eröffnet ihm ein für jeden andern unerreichbares Verständnis des gesunden und scheinbar gesunden Seelenlebens. *) Ladenpreis brosch. 1, 30 Mk., kart. 1,50 Mk., Leinwandband 2 Mk., Prachtband 2,50 Mk., auf Büttenpapier 3,50 Mark.