Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 9 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8295971-9046061-8238384--528-8190153- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
76 LITERATURBLATT No. '.) Dass die Psychologie der Religionen und ihrer Geschichte der Mit- Wirkung des Arztes bedarf, kann nicht mehr bezweifelt werden, nachdem die, Heilungen vieler Wundertäter, die Phänomene der Anachoreten und Heilungen, die religiösen Seuchen dies Mittelalters erst durch die moderne Medizin ihre rechte Beleuchtung erfahren haben. Aber man wird sich vor dem naheliegenden Hehler hüten müssen, alles an der Religion für pathologisch zu erklären. Und vermeidet man diese Übertreibung, so wird man auf der anderen Seite leicht dazu kommen, aus begreiflicher Scheu nur die halbe Wahrheit zu sagen, und Parallelen zwischen Erscheinungen der Religionsübung und Geisteskrankheit nicht zu ziehen, die unbedingt gezogen werden müssen. Wie dem auch sei. ein neues und hochinteressantes Gebi et lässt sich hier erschliessen. Freilich vermögen wir nicht zu glauben, wie in der ״Einführung‘‘ gesagt wird, ״dass der Zukunftsstudent nicht mehr stud. theol. et phil, sondern Theo-Mediziner sein werde“; denn von theologischer Seite wird die naturwissenschaftliche Aufklärung mit Recht gefürchtet, und noch ist der alte Satz wahr; Tres medici. duo athei (Drei Ärzte — zwei Gottlose). Dem ersten Heft der vorliegenden Zeitschrift muss man zubilligen, dass es interessant ist. Der anregendste Aufsatz ist der des Nervenarztes Pr׳of. Siegmund Freud über ״Zwangshandlungen und Religionsüb,ung“, in dem der Autor die weitgehenden Ähnlichkeiten des religiösen Zeremoniells mit dem durch Zwangsvorstellungen bedingten beleuchtet. Auch wenn man nicht Freud’s bekannter ״Verdrängungs‘‘-Theorie der Zwangsvor- Stellungen beipflichtet, erhält man doch überraschende Einblicke in Dinge, die sonst kaum beachtet werden. Von jedem der beiden Herausgeber ist noch ein Aufsatz in dieser Nummer enthalten, weiter Mitteilungen über einen religiorispsychologischeu Kursus, Buchbesprechungen und psychologisch interessante Fälle aus den Ereignissen dies Tages. Bei dem grossen Interesse, das heute der psychologischen und historischen Zergliederung religiöser Fragen entgegengebracht wird, kann die neue Zeitschrift weiterer Beachtung sicher sein, wenn die Herausgeber es verstehen, durch geschickte Abgrenzung des Stoffes. Einhaltung eines festen Arbeitsplanes und Heranziehung geeigneter Kräfte soviel Anregung zu bieten, als das Gebiet es gestattet. D r. Elias Auerbac h. Religionshygiene. Von Oberarzt Dr. med. Job. Bresler. Halle a. S. Verlag von Carl Marhold. 11907. 55 S. 8°. Den grössten Teil der Broschüre füllen Auseinandersetzungen über Begriff, Ausdehnung und Arbeitsmethoden der Religionspsychologie - - Verfasser ist Mitherausgeber der gleichfalls in dieser Nummer besprochenen Zeitschrift für Religioaspsychologie —,. und nur hier und da fällt das Wort Religionshygiene. Ref. muss gestehen dass ihm dieser Begriff nicht ganz klar geworden ist. Er würde etwa bedeuten: Verhütung der Schäden, die aus einer falschen Religionspflege und -Lehre erwachsen. Ihre Ziele, sind: Harmonie vor! Glauben und Wissen- und Bekämpfung der ״Religionspfuscherei“. Aber wir glauben nicht, dass dieser alte und: notwendige Kampf durch ein neues Wort ein anderer werden wird, zumal wenn man, wie Verfasser, teilweise zwischen, den Fronten steht. Mit seinen Zugeständnisseri wird weder die Wissenschaft zufrieden sein, die sich ihr Gebiet reinheilten muss, noch die positive Religion, die auf bestimmte Formen und Dogmen festgelegt ist. D r. Elias A ׳u e r b a c 11. Der Geschichtsquellenwert des Alten Testaments. Von Eduard König, Prof, zu B0.1111. Pädagogisches Magazin, H. 258. Langensalza, Herrn. Bever und Söhne. .1905. 86 S. 8“. Preis 1,20 Mk.