Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 6 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 6 LITERÄTURBLÄTT1 53 gesetzlich Verbotene, nicht das sittlich1 Böse verworfen wurde, und!, dass das Wesen der Sittlichkeit durch die engherzige Beschränkung• auf das Gesetz national eingezwängt worden sei. Es scheint fast, als habe Pfl. nie eine Zeile von dem gelesen, was jüdische Gelehrte als Material. gVgen, diese Vorurteile zusammengetragen haben. So ist cs nicht zu verwundern, dass Jesus von Pfl. in keiner Weise als Kind seiner Zeit begriffen werden kann. Zwar stellt er ihn nicht so über Raum und Zeit erhaben hin wie Harnack, aber auch ihm dient die Einreihung Jesu in das jüdische Leben nur dazu, gewisse Schwächen zu verdecken und störende Züge aus dem Bild des idealen Gottmenschen fortzu wischen. Er schreibt Jesus die Auflösung der Gesetzreligion zu, während doch an der Tatsache nicht zu rütteln ist, dass Jesus das Gesetz als bindend anerkannte. Was dieses so viel verlästerte ״Gesetz“ für der Juden wirklich bedeutete, seine Notwendigkeit für die nationale Erhaltung des Judentums, dafür hat Pfleiderer keine Einsicht. Im weiteren Verlaufe der historischen Darstellung fesselt uns be• sonders noch die Zeichnung der Gestalt des Paulus, des eigentlichen Stifters des kirchlichen und geschichtlichen Christentums. Mit ihm setzt ja die bewusst antijüdische Propaganda des jungen Christentums ein, riicht ohne Krisen in seiner eigenen Mitte. Paulus brachte die charakteristischen Eiemente des späteren Christentums zur Geltung: Die mystische Auffassung der Person Jesu und seines Kreuzestodes, und damit in Zusammenhang die teilweise unbegrefliche teils bedenkliche Erbsünden- und Erlösung» lehre. Hier ist in'r die vom Stoffe seiner Darstellung hervor gerufene Parteilichkeit Pfleiderers eine Stelle über das Verhalten der Juden zu Paulus besonders charakteristisch. (S. 173) ״Den Prediger des sittlichen Monotheisrnus hätten sie sich wohl gefallen lassen, aber das Wort vom Kreil׳; war ihnen . , . ein Ärgernis.“ Es wäre interessant zu wissen, wie siel der historische Rationalist Pfleiderer heute gegenüber einer •Agitation wie der des Paulus stellen würde. Sind ihm diese mystischen. dogmatische!. Lehren, die sein liberaler Protestantismus ja bekämpft, riicht genau so sehr ein Ärgernis? Verlangt er im Ernst, dass sich die'Masse der Juden, die sich gegenüber dem Mystizismus des Paulus mit Recht religiös und moralisch durchaus überlegen fühlte, diesem Bunde vom gnostischer Be griffsspiclerei und griechischer Mysteriensymbolik־ hätte aaischliessen sollen? Aber — es gilt die Gegenüberstellung von Judentum und Christentum, und da ist dem christlichen Geschichtsschreiber seine Stellung vorgeschrieben. Was hilft es, wenn wir Juden uns beklagen? So lange wir nicht den jüdischen Historiker haben, der diese dunkle und ewig merkwürdige Epoche mit unserem Auge erforscht und mit unserem Munde schildert, werde!1 war Gerechtigkeit nicht zu erwarten haben. Bis dahin werden sich die Gebildeten ihr Urteil über diese Dinge aus Schriften! Harnacks oder dieser Arbeit Pfieiderers holen, die durch ihre Allgerrtcin Verständlichkeit, ihre durchsichtige Darstellung, ihre glänzende Sprache m der Tat eine fesselnde Lektüre ist. Elias Auerbach. U ebersicht der (meist in Deutschland -erschienen) Literatur fiber die .äuge blick von Juden verübten R i t u a 1 m o rde und 10 1־ s t i e n f r e v e 1. Zum ersten Maie zusammengestellt von Hugo Hayn, Verfasser der ״Bibliotheca Germanor. eroticä“ etc, etc. Jena H. W. Schmidt (Gustav Täuscher) 1906. (30 S.) 8. Der Verfasser, der sich auf bibliographischem Gebiete durch mehr als eine Spezialarbeit einen recht guten und angesehenen Namen bereits bereitet hat, gibt diese Zusammenstellung von TiEeln zum Teil mit kur.Zen Auszügen nicht aus Interesse an der Sache, die ihm offenbar ganz fern §; : lir'l j;11 1 fm i fTÄI! :liv M II