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Jüdische Rundschau · 1907-02-22 · 5 (22.2.1907) · p. Seite 45

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
5 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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No. LITERATURßLATT 45 Literaturbericht Der Pentateuch. Beiträge zu seinem Verständnis und seiiner Ent- Wicklungsgeschichte. Von Dr. theol. August Klostermann, ord. Professor an der Universität Kiel. Neue Folge. Leipzig. A. Deichert’sche Verlagsbuchhandlung Nacht. (Georg Böhme). 1907. 583 S. 8". Preis 8 Mark. Kiostermanns Beiträge bedeuten in der Tat eine Förderung des Verständnisses des Pentateuchs. Sie unterscheiden sich auf das angenehmste von den üblichen Erzeugnissen der Bibelkritik-Fabrikation. Klostermann geht nicht aus von bestimmten Kritik-Dogmen, die an die Stelle des alten Dogmas!von der Unversehrtheit des biblischen Textes getreten sind; er trägt nicht die Massstäbe für die Beurteilung der Texte von aussen heran, wie es die Graff-Wellhausenschen Hypothesen tun, sondern holt sie aus dem Text selbst, den er in seinem inneren Aufbau, in seinen Beziehungen zu Geschichte und Tradition zu begreifen sucht. So kommt es, dass seine Methode eine recht konservierende wird, ohne deshalb unkritisch zu sein. Die vorliegenden ״Beiträge“ sind vier einzelne Abhandlungen, die unter einander in keinem festen Zusammenhänge stehen. Die erste be- I handelt das chronologische System des Pentateuchs. Mit grossem Scharfsinn deckt hier K. ein durchsichtiges Schema der Zeit־ rechnung im Pentateuch auf, in dessen einzelnen Abschnitten die berichteten TatsaC^n nach fester Ordnung untergebracht sind. Diese Nachweise sind voll übrraschender Zusammenhänge, und grade diese sind der stärkste Beweis für die Richtigkeit der Aufstellungen Klostermanns, 'Wichtig aber ist vor allem die Tatsache, dass dieses chronologische System, das nach ober; hin bis zu Adam reicht, nach unten sich nur bis zur Tempelweihe Salomos verfolgen lässt. Sollte es sich als richtig erweisen, dass die nächste Epoche, etwa bis zur Zerstörung des Tempels oder dessen Wiederaufbau, sich nicht mehr in dieses System eingliedern lässt, so sprächt das, wie K. richtig hervorhebt, stark dafür, dass der Erzähler, der diese eigentümliche Ordnung in die Darstellung der überlieferten Geschichte gebracht hat, in die Zeit Salomos etwa zu setzen wäre. Dieses Ergebnis findet K. bestätigt in seiner zweiten mühseligen Untersuchung über die Heiligtums- und Lager Ordnung. Mit Recht fühlt er sich nicht befriedigt von der einfachen Lösung, die Wellhausen und seine Schule hier bieten, dass nämlich alle diese: Stücke als nachexilisches Einschiebsel durch den ״Priesterkodex“ entstanden sind. Er zeigt schlagend die innere Unwahrscheinlichkeit eines so ungeheuerliehen Betruges,, der noch dazu mehrere Mal mit dem gleichen Erfolge geglückt. •grfiusste. Er zeigt vielmehr, dass wir es hier mit alten, echten Uebetlieferungen über die Ordnung der Stämme und des wandernden Heiligtums auf geleinsamen Kriegszügen und Reichsversammlungen zu tun haben. Die Zeit der Fixierung dieser Berichte weist auch hier auf die salomonische Epoche hin. Von ausserordentlichem Interesse ist die dritte Abhandlung über das deuteronomische Gesetzbuch. Mit Recht führt K. zwei Parallelen aus der Geschichte inderer Völker durch, für das äussere Schicksal des Deut, die Auffindung der Gesetzbücher des Numa in Rom 181 v. dir., für die literarische Form des Deut, das isländische Gesetzbuch Gragäs. Die Vergleichung mit den Büchern Nümas, die ja bekanntlich sofort nach ihrer Auffindung von Senats wegen verbrannt worden sind, erscheint uns allerdings unwichtiger, weil dieser Fund augenscheinlich einer Fälschung entspringt; dagegen bietet das isländische Gesetzbuch ein vorzügliches Gegenstück zum Deut., indem auch hier die direkte Rede der mit der Gesetzesbelehrung betrauten autoritativen Person durchgefiihrt ist. - Für das Verständnis des literarischen Charakters des Deuteronomiums

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