Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 5 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 LITERATURBLATT No. 5׳ Geistes und Herzens den Fehler nie verzeihlich — ein Jude zu; sein.‘‘ — — Ist es das Gesetz der Juden, welchem sie die drückende Lage verdanken? Dieses bezeichnet Dohm als rein und sittenstrenge. Er betrachtet diese Untersuchung als die nächste Aufgabe des Staates. (Napoleons 12 Fragen!) Für ihn selbst ist die Antwort klar gegeben. Findet aber trotzdem der Staat irgend einen schädigenden Einfluss der Religionsgesetze, dann müsste er sich bemühen, diesen durch Aufklärung der Nation zu schwächen und ihre Sittlichkeit zu• fördern, sowie danach trachten, ihre Empfindüngen zu verfeinern. ,,Vorzüglich aber würde der Genuss der bürgerlichen Glück- Seligkeit in einem wohlgeordneten Staate, und der so lange versagten Freiheit, die ungeselligen Religionsgesinnungen verscheuchen. Der Jude ist noch mehr Mensch als Jude, und wie wäre es möglich, dass er einen Staat nicht lieben sollte, in dem er ein freies Eigentum erwerben und dasselbe frei, gemessen könnte, wo seine Abgaben nicht grösser als die der andern Bürger wären und wo auch von ihm Ehre und Achtung; erworben werden könnten? Warum sollte er Menschen hassen, die keine kränkenden Vorrechte mehr von ihm scheiden, mit denen׳ er gleiche Rechte und gleiche Pflichten teilte? Die Neuheit des, Glücks und leider! die Wahrscheinlichkeit, dass man es ihm nicht so bald in allen Staaten bewilligen werde, würden es dem■ Juden nur noch desto kostbarer machen und schon die Dankbarkeit müsste ihn zum patriotischen Bürger bilden. Er würde das Vaterland mit der Zärtlichkeit eines bisher Verkannten und nur nach langer Verbannung in die kindlichen Rechte eingesetzten. Sohnes ansehen.“ — Dann macht Dohm eine Reihe von Vorschlägen und schliesst diesen Teil: ״Ich wage es sogar, demjenigen Staat Glück zu wünschen, der zuerst diese Grundsätze in Ausübung bringen wird.“ Allen diesen Gedanken begegnen wir bei Napoleon wieder, dem grossen Reformator, der den Patriotismus der Juden wieder neue beleben wollte zum Besten des Ganzen. -Acht Jahre nach der ersten Willensäusserung des Kaisers; Napoleon, die Juden aus dem Zustande der Schmach zu befreien, schrieb Ernst Moritz Arndt, der teutscheste aller Teutschen damaliger Zeit: ״Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in' diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, dass sie auf eine ungebührliche Weise in Teutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche.“- Dr. med. Carl Kassel, Posen.