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Jüdische Rundschau · 1907-02-22 · 5 (22.2.1907) · p. Seite 43

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
5 (22.2.1907)
Date
1907-02-22
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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No. 5 LITERATURBLATT 43 garnieren. Sentimentalität war für den Kaiser auf seinem ganzen Lebenswege ein fremder Begriff. Er kannte die schaffende Kraft, die in unsferer Nation ruht und fühlte, dass das dekompositorische Ferment nur so lange wirksam sein kann, als das Judentum von der schaffenden Arbeit abgedrängt ist. Der Instinkt liess ihr! das Crosse voraussehen, zu dem das trotz aller Pein nicht untergehende Volk geschaffen ist. Ernst Moritz Arndt sprach von dem Fürchterliehen, wie er ihn nannte: Das gewaltige Herz gibt der Tat die ungeheuren Geburten und weiss von sich nichts. So siegt, so herrscht, so fährt der Korse hin. Die Klugheit fasst nur ein mürbes S/eil, der Instinkt greift in die ewige Kette, woran Jupiter Himmel und Erde hängt. Bonaparte trägt dunkel den Geist der Zeit in sich und wirkt allmächtig durch ihn, ohne Klügelei fühlt er die Fortschwingungen der furchtbaren Revolutionsbewegung und hält sein Volk frisch darin.“ Der kleine Korporal hatte die revolutionären Mächte durch sein übermächtiges Wollen und Können gebändigt und geeint. So wollte er die Revolution fortsetzen und zu Ende führen und alle Völker seiner Herrschaft zu einem einigen Franzosenvolke umformen. Die Emanzipation der Juden ist ein echtes Produkt der grossen Revolution. Die Dohm’schen Ideen sind als die Grundlage der Napoleonischen zu betrachten, sei es, dass Napoleon aas Originalwerk Dohms oder die Wiedergabe durch Mirabeau kannte. Jedenfalls begegnen wir jenem wiederholt in den Kaiserlichen Erlassen. Daher erscheint es angezeigt, zum Schluss den Gedankengangder ״bürgerlichen Verfassung der Juden“ kurz zu skizzieren. Chr. Wilh. Dohm geht1 davon aus, dass die grossen Staaten von Europa jetzt darin übereinzustimrnen scheinen, dass eine wachsende Bevölkerungszahl die wesentlichste Vorbedingung des grösstmögliehen allgemeinien Wohls sei, dass man sogar grosse Summen daran wende, aus fremden Lndern neue Bürger heranzulocken. Nur den Juden gegenüber mache man von diesem Grundsätze eine Ausnähme, um ,,so viel wie möglich zu verhindern, dass die Zahl jener unglücklichen Asiaten vermehrt werde.“ — Nach einer Schilderung der fürchterlichen Lage unserer Nation — als solche betrachtet uns auch Dohm — schreibt er: ״Nur seltenen Genies (die, wenn vom Ganzen der Nation die Rede ist, nicht gerechnet werden können) bleibt bei so vielen niederdrückenden Umständen noch Mut und Heiterkeit, sich zu den schönen Künsten oder den Wissenschaften zu erheben, von denen, zugleich als Weg des Erwerbes betrachtet, nur allein Mjesskunst, Naturkunde und die Arzneigelahrtheit den Hebräern übrig bleiben. Und auch diese seltenen Menschen, die in den Wissenschaften und Künsten eine hohe Stufe erreichen, sowie die, welche durch die untadelhafte Rechenschaft der Menschheit Ehre machen, könn'en nur die Achtung weniger erwerben; bei dem grossen Haufen machen auch die ausgezeichnetsten Verdienste des %

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