Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 5 (22.2.1907)
- Date
- 1907-02-22
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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42 No. 5 LITERATURBLATT liehe widersprachen, welche ferner an den Bestimmungen über die Ehe Afergernis nahmen, aber jedenfalls war die einzige! Vorbedingung für die Gleichstellung der Juden Frankreichs gegeben. Die letzte Sitzung fand am 9. März 1807 statt. Jetzt trat wieder die Notablenversammlung zusammen als repräsentatives Verbindungsglied zwischen der Regierung und d(en Judenschaft. Die Abwesenheit des Kaisers benutzten die Angehörigen Moles, gegen die Juden zu schüren. Der Kaiser, den diese durch eine Deputation benachrichtigten, liess sich von seinen Judenfreundlichen Absichten nicht abbringen, er blieb bei seinem Planfe, die Juden zu vollgiltigen französischen Bürgern zu erziehen. Es ist bfqgr(e;iflich, dass bei dem ernsten Streben Napoleons, alle seine Untertanen zu sammeln, um so die Kraft Frankreichs zu stärken, das erziehliche Moment die wichtigste!teile spielen musste. Mit einem kurzen Dekret, welches den so verschiedenartigen jüdischen Elementen seines Reiches die Gleichberechtigung gewährt hätte, wäre nichts für die Dauer geschehen. Hieraufhin war auch die Konsistorial-Verfassung zugeschnittesn: die Rabbiner sollten die Mitarbeiter der Regierung in der Erziehung der Juden sein. Sie wurde am 17. März 1808 von Napoleon bestätigt. Gewisse Beschränkungen für eine Dauer von zehn Jahren liess er für die Juden bestehen ״in der Erwartung, dass nach Ablauf dieser Zeit und nur durch die Wirkung verschiedener Massregeln kein Unterschied zwischen den Juden und den übrigen Bürgern des Staates stattfinden“ werde. — So wurdfe den Juden das Recht entzogen, wenn sie militärtauglich befunden waren, für den Soldatendienst einen Stellvertreter zu stellen, eine für die damalige Zeit harte, aber für die Erziehung durchaus heilsame Bestimmung. Die Entziehung der Freizügigkeit in die deutschen Grenzdepartements und aus ihnen heraus entsprang die Besorgnis, dass die Juden hier die Rolle von Spionen spielten, die Beschränkung der Handelsfreiheit hatte ihren Grund in dem Willen Napoleons, die Juden dem Handel zu entziehen und einen Teil von ihnen arideren Berufsarten zuzuführen. Doch auch diese Sonderstellungen wurden nach kurzer Zeit für die!eingeborenen französischen Juden aufgehoben und blieben auf die deutsch-redenden Juden Frankreichs beschränkt. — Des Kaisers Abneigung gegen die Juden konnte ihn nicht von seinen tiefeingreifenden staatsmännischen Plänen abhalten. Gerade dadurch steht er in unserer Achtung und Bewunderung so hoch. Ein Federstrich — und die Juden, welche er als eine Gefahr für sein Land und insbesondere für die Grenzprovinzen ansah, wären des Landes verwiesen, ihrer Habe beraubt gewesen. Man muss daher über die Grösse des Unternehmens staunen: es schwebte Napoleon vor, i n wenigen Jahren die Judenmassen ihrer Eigenarten zu entkleiden und sie den Franzosen zu amal-