Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-02-15 · 4 (15.2.1907) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
4 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
Seite 38 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8295971-9046061-8238378--485-8190115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3*_LITERAT II R B L A T T _ No. 4 gef midien wurde, war ein Gegenstück zu dem oben erwähnten Staatsver- RrHlScs L• 1™t dem Hethitergrosskönig, und zwar in babylonischer Keiischrift. Die grössere Anzahl der Tontafeln, welche schon jetzt auf Jahre hinaus Arbeit für die Entzifferung bieten, sind in babylonischer Keilschritt mit vielfacher Verwendung babylonischer Ideogramme, aber in, der Hethitersprache abgefasst. Ob die Spache dieser 1 nschriften mit der Sprache der hethitischon Bilderschrift identisch ist, kann noch nicht bestimmt werden. Aber schon jetzt sind sie als eine reiche Fundgrube neuen historischen Wissens zu bezeichnen, da die Namen der Hethiterfürsten und die geographischen Bezeichnungen gelesen werden können Die bei einer weiteren Ausgrabung zu erhoffenden Resultate sind aus zwei Gründen besonders aussichtsvoll. Die Ausgrabungen im Herbst 1906 haben die ganz überraschende Tatsache ergeben, dass die Stadtanlage von Boghazköi die Hauptstadt des Hethiterreichs gewesen ist. Damit ist der erste feste Punkt für das Gebiet der kleinasiatischen Grossmacht bestimmt, welche die Vorläuferin der Indogermanen in Kleinasien, denen ein halbes Jahrtausend später die Griechen folgen, darstellt. Unweit der Ausgrabungsstdle fanden sich prächtige■ Kunstaltertümer. Bei dem einen Tor der in ihrem Verlauf noch erkennbaren alten Stadtmauer wurden zwei Löwen in ganzer Vorderansicht gefunden, welche das Stadttor einfassten, ausserdem Ueberreste eines kunstvollen, mit Löwen in ganzer Vorderansicht gefunden, welche das! Stadttor einfasste,11, ausser־ dem Ueberreste eines kunstvollen, mit Löwen verzierten Wasserbassins. Eundarnnte, die an hochliegender Stelle aus dem Schutt hervorragten und zum Teil blossgelegt wurden, lassen darauf sehliessen, dass die Trümmerhügel noch Reste von hethitischen Tempeln und Palästen verbergen. Es ist begründete Aussicht vorhanden, dass die Ausgrabungen erneut aufge- •nommen werden. Die ersten Eisenfabrikanten im Altertum. Die Lösung eines der interessantesten Probleme ist dem Archäologen und Armenienforscher Dr. Waldemar Belck-Frankfurt a. M. gelungen. Er tilte seine Entdeckung am Sonnabend in einer ausserordentlichen Sitzung der Berliner Anthropologischen Gesellschaft mit. Es: handelt sich um ־die Frage, welches Volk im Kulturkreise des Altertums das Eisen entdeckt hat, und wann dies etwa geschehen ist. Das Problem ist seit Jahrzehnten van den hervorragendsten Gelehrten, unter anderen auch von ‘Rudolf Viich'ow, erörtert worden, ohne dass man zu bestimmten Ergebnissn kam. Dr. Belck bemerkte, dass er, wie das häufig ist, rein zuällig die Lösung gefunden habe. Er kam dazu bei der Untersuchung über den Erbauer eines Felsentunnels, der das Wasser der Siloah-Ouelle, njach ,Jerusalem führt, und der bisher dem König Hiskiä zugeschrieben wurde. : .Es ergab sich aus dem! Inhalt der bekanntem Siloah-Inschrdft dass der .Tunnel mit Werkzeugen aus Bronze hergesteilt war. Belck wies nach, ,dass zur Zeit des Hiskia. ja schon zu Davids Zeit Eisen und eiserne Werk- -zeuge in Israel allgemein verbreitet warem dass also der mit weichen Bonzeiristrumenten geschaffene Tunnel der vordavidischen Zeit angehören müsse. Bei dieser Gelegenheit suchte der Gelehrte festzustellen, wann überhaupt die Juden mit dem Eisen bekannt geworden wären, und er- mittelte aus den Angaben der Bibel, dass sie das Eisen erst beim Betreten des Bodens Kanaan kennen lernten. Bei der weiteren Frage nach dem Walk, dem sie diese Kenntnis verdankten, ergab sich aus dem ersten. Buch Samuelis, Kapitel 17 Vers 17 bis 22, klar und deutlich, dass zu jener;Zeit lediglich die Philister im Besitze des Geheimnisse der Eisenfabrikation ,und Eisenbearbeitung waren. Die Bibelstellen lassen erkennen, dass die Philister ihren Nachbarvölkern wohl fertige Eiisemgeräte und Waffen lieferten, dabei aber sorglich das Geheimnis der Bereitung und Bearbeitung des Eisens hüteten. Dr. Belck wies im Anschluss hieran nach, dass die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.