Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 4 (15.2.1907)
- Date
- 1907-02-15
- Page
- Seite 37 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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N0- 4_ L I T E R A T U R BLA T 1' T7 gliedern. Aus dem Mangel an fester sozialer Einordnung leitet er auch den Kcsmopoliti'smus der Juden ab. Die fortschreitende wirtschaftliche Assi/milierung der Juden führt zur Herstellung des sozialen Gleichgewichts, aber auch zur Schwächung des die Juden einigenden Bandes Wenn der Aufsatz auch nicht wesentlich Neues enthält, so bleibt er doch durch objektive Darstellung lesenswert. H. S. H. Notizen Neue Keilschriftstunde. (K 1 e i n a s i e n i in 2. Jahrtausend v. C h r.) Von Dr. F. Jeremias (Dresden). Die Erschliessung des Alten Orients, zunächst durch Ausgrabungen in Babylonien und Assyrien, 11,at eine völlige Umwälzung der alten Geschichte zur Eolge gehabt. Epochemachend aber für die Betrachtung der Geschichte und Kultur des Orients in alter Zeit war der in Aegypten (el Amarm) gemachte Tontafelfund im Jahre 1888. Er gab den urkundlichen Nachweis, dass babylonische Kultur und Geisteswelt um die Mitte des zweiten Jahrtausends v. dir. den ganzen vorderen Orient bis nach Aegypten beherrscht und beeinflusst haben. Eine neue Perspektive er־ öffnen jetzt Funde, die in Kleinasien gemacht worden sind. Es leuchtet e|Zi, von wie weittragender Bedeutung die Erschliessung der im- Dunkel der Geschichte liegenden kleinasiatischen Kultur sein muss, wenn man an die Verbindungslinie denkt, welche von Kleinasien nach Griechenland reicht, dem Lande der für unsere Vorstellungen bisher genuin-klassischen Kultur. Als Neuland der Kunst steht jetzt schon Kleinasien im Vordergrund des Interesses der alten Kunstgeschichte. Aber ebenso wichtig müsste die Kenntnis des hethitischen Einflusses auf Palästina sein. Seit einiger Zeit wairen Inschriften und Skulpturen kleinasiatischen Altertums bekannt geworden. Denkmäler des grossen hethitischen Völkerkreises. In der A'marna-Zeit (15, Jahrhundert) wird Palästina von den Hethitern von Norden her bedrängt. Ramses II., der Pharao der Unterdrückung besiegt sie und besiegelt das Verhältnis der beiden Grossmächte durch einen auf silbernen Tafeln geschriebenen und in ägyptischer Sprache erhaltenen Staats vertrag. In der assyrischen Zeit sind die. Hethiter bis zum Hermon gedrungen in assyrischer! Inschriften ist Syrien das Hethiterland. Aber bisher sprachen die hethitischen Inschriften nicht za uns- Die hethitische Bilderschrift harrt!noch der Entzifferung. Im: Herbst des Jahres 1906 hat der bekannte Berliner Orientalist und Geschichtsforscher Professor Dr. H. Winckler Ausgrabungen in Kleinasien unternommen, und zwar an der Stelle des durch hethitische Skulpturen und Inschriftenfunde schon berühmten Boghazköi, fünf Tagereisen östlich von Angora. Der Erfolg war ein ausserordentlicher, obwohl auf die Grabungen nur acht Tage vewendet werden konnten. Sie wurden an dem. durch die Grösse seiner Anlage ausgezeichneten Hügel des alten Stadtgebieis unternommen, der vermutlich die alte Königsburg Enthielt. Es wurde ein primitives, der kurzen zu Gebote stehenden Zeit entsprechendes Verfahren angewandt, ln einer Breite von etwa 20 Metern wurde vom vom Euss des Hügels ausgehend der Boden bis auf den gewachsenen Felsen abgegraben. Bei dieser Grabung wurden etwa 2500 Bruchstücke von Tontafeln gefunden, darunter Tafeln von auffälliger Grösse. Die meisten, sind in der Landessprache abgefasst, mehrere auch babylonisch, d. k. ir! der allgemeinen Schriftsprache des alten Orients. Einige zeigen i» Form und Schrift an, dass sie zu den berühmten Amarnatafeln zeitlich und sachlich in Beziehungen zu setzen sind. Die erstere grössere Urkunde, die