Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-02-15 · 4 (15.2.1907) · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
4 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/8295971-9046061-8238378--474-8190104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

LITERATURBLATT ,No, 4 27 dass ein jeder seine Rechte geniesse und ohne Eigennutz ausübe. Jeder wird seinen Gott anerkennen können, dem Kultus leben, den sein Gewissen ihm gebieten wird. Jeder wird seines Eigentums froh sein•“ Napoleons Stellungnahme den Juden gegenüber, ist nur ein Teil der Durchführung seiner revolutionären Prinzipien der ' Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. — Am 22. Juli 1806 richtete er an die Versammlung der Juden folgende zwölf Fragen: 1״. Ist es den Juden erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten? 2. Ist die Ehescheidung vom jüdischen Gesetz erlaubt? Ist die Ehescheidung gütig, ohne dass sie von den Gerichtshöfen ausgesprochen werde und in Kraft von Gesetzen, welche mit denen des französischen Gesetzbuches in Widerspruch stehen? 3. Kann sich eine Jüdin mit einem Christen verheiraten und eine Christin mit einem Juden? Oder verlangt das Gesetz, dass die Juden nur unter einander heiraten? 4. Sind die Franzosen in den Augen der Juden Fremde oder sind sie für sie Freunde? 5. Welches sind in beiden Fällen die Beziehungen, welche ihnen ihr Gesetz gegenüber den Franzosen, die nicht von ihrer Religion •sind, vorschreibt? 6. Betrachten die Judien, welche in Frankreich geboren sind und vom Gesetz als französische Bürger betrachtet werden, Frankreich als ihr Vaterland? Sind sie verpflichtet, es zu verteidigen? Sind sie verpflichtet, den Gesetzen zu gehorchen und allen Bestim- .mungen des Bürgerlichen Gesetzbuches nachzukommen? 7. Wer ernennt die Rabbiner? 8. Welche Polizeigewalt üben die Rabbiner unter den Juden? 9. Sind diese Formen der Wahl, diese Polizei- und gerichtliche Gewalt durch ihre Gesetze bestimmt, oder sind sie mehr durch Herkommen eingeführt? 10. Gibt es Berufsarten, welche das Gesetz der Juden ihnen verbietet? 11. Verbietet das Gesetz der Juden, ihren Brüdern gegenüber Wucher zu treiben? — — 12. Verbietet oder erlaubt es ihnen, den Fremden gegenüber Wucher zu treiben? Am 25. Juli wurde das aus 110 Natabeln bestehende erste jüdische Parlament eröffnet. Die Auswahl dieser zwölf Fragen zeugte von der ausserordentliehen Staatsklugheit des Kaisers; denn sie enthalten gerade die Punkte, welche die Gegner der Juden stets in Feld führten, um zu zeigen, dass die üdischen Satzungen nicht mit den Staatseinrichtungen vereinbar wären. Durch ihre Beantwortung hoffte er,, den Feinden der Judenemanzipation die Waffen zu entreissen. Nach wenigen Sitzungen war die Erklärung des Parlaments fertig. .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.