Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 3 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 LITERATURBLATT 21' dass dieses Land als Grenzland viel von den vorwiegend polnischen Elementen zu leiden hatte, die׳, angelockt durch die Sonne der Freiheit, nach Frankreich gegangen waren. Es Hehlte nicht viel, da hätte Napoleon sich von den Strassburger Behörden überreden lassen, die Juden in ihre früheren Schranken zurückzuweisen. Und sein erster Erlass vom 6. März 1806, den er an den Staatsrat richtete, zeigt, dass er entschlossen war, die Juden auch gesetzlich wieder als Schädlinge seines Reiches zu behandeln. Von dieser Tatsache an haben wir erst mit einer wirklichen Bedeutung des Kaisers für das Judentum zu tun. Keineswegs aber darf man die Proklamation, welche er auf seinem Orientfeldzuge (1798—1799) an die Juden Asiens und Afrikas erliess, als ein ernstes Versprechen auffassen. Ernstlich konnte ein Napoleon nicht daran denken, ein neues jüdisches Reich auf unserem heiligen Boden zu errichten und das alte Jerusalem in seinem alten Glanze wieder erstehen zu lass'en. Ihm war nur darum zu tun, dfe Juden des Orients für seine Heeresmacht zu gewinnen und wohl auch darum, den Helden von Akka, den jüdischen Staatsmann Maalem Furchi, der mit zäher Energie di!e Feste gegen die Franzosien verteidigte, zu sich hrniiberzuziehen. Akka fiel nicht und Napoleon zog sich nach Aegypten zurück, wo er am 25. Juli 1799 durch seinen glänzenden Sieg über die Türken in der Ebene von Abukir seinen vor Akko erblassten Ruhmesglanz und das sinkende Selbstvertrauen seiner Armee, wiedter herstellte. — Trotz der Eroberung des heiligen Landes war Napoleon niemals auf seine in jener Proklamation ausgesprochene Absicht zurückgekommen. Im Kriege verschmähte er eben kein Mittel, den Gegner zu schwächen. Nur io sind alle seine Versprechungen aufzufassen, die fer übrigens nicht nur den Juden gab. Hier handelte es sich um das Ziel, fiir Frankreich den Weg nach Indien frei zu machen, eine Etappe in dem Vernichtungskriege gegen England, der das Anfang und das Ende seiner auswärtigen Kriegspolitik war.*) Jener obenerwähnte erste die Juden betreffende Erlass war durch die Klagen der Elsässer veranlasst. Die Schreckensherrschaft hatte auch hier die meisten Besitzenden ruiniert. Reiche Juden gaben nun, wahrscheinlich zu hohem Zinsfusse Gelder her, so dass, da infolge der *) Sein Interesse für das .ludenvolk zeigte Napoleon noch auf St Helena, ־wo er sich nach dem Bericht Las Gases im September 1816 mit der Berechnung des Ertrages des Bodens :in Aegypten beschäftigte. Er berechnete auch diie mögliche Bevölkerungszahl der Israeliten, wenn sie sich in der Gefangenschaft so sehr hatten vermehren können, wie es die Bibel angibt. ״Die Israeliten hielten s׳ch 200 Jahre in Aegypten auf. Man kann auf diese Zeit gegen zehn Generationen rechnen. Die Heiraten erfolgten in früher Jugend, und man hatte vorzüglich viele Kinder. Ich nahm die■ Kinder Jakobs, die zwölf Anführer der Stämme, alle verheiratet an; auch setzte ich auf einen Augenblick voraus״ dass jeder derselben die gleiche Anzahl