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Jüdische Rundschau · 1907-01-25 · 3 (25.1.1907) · p. Seite 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
3 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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No. 3 20 LITERATURBLATT die Juden iöi Frankreich die Rechte der Vollbürger gemessen sollen!“ I Am 13. November 1791 bestätigte Ludwig XVI. das Gesetz der vollständigen Gleichberechtigung aller Juden Frankreichs. Das Parlament hatte beschlossen, der König seine Bestätigung erteilt, aber — das Volk stand den Judea nach wie vor feindlich gegenüber. Besonders war dies im Osten des Reiches dler Fall. Mirabeau’s Tod, der am 2. April 1791 erfolgte, bedeutete für die Judjen einen unersetzlichen Verlust. Ihre Lage während der Schreckensherrschaft wurde immer schlimmer. Und ihr Beschützer Ludwig XVI. hatte am 21. Januar 1793 auf dem Schaffott geendet. In dem wechselnden Bilde der Revolution gab es für eine weitere günstige Entwicklung des Budenloses keinen Platz. Die Herrschaft der Guillotine benutzte ein von dem Bischof la Fare aufgereizter Klub in Nancy sogar, an den Konvent den Antrag zu bringen, sämtliehe Juden aus Frankreich zu vertreiben. Die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschte in der Form absoluter Anarchie. Die Erlösung Frankreichs aus diesem Zustande konnte nur dem klaren Geiste und der festen Faust Napoleons gelingen. Die Regierung Ludwigs XVI. bleibt aber für die Entwicklung der Juden- Stellung in Frankreich von grosser Bedeutung. Der absolute Herrscher, beraten von Choiseul, Mirabeau, Malesherbes, über das Wesen des Judentums indirekt beeinflusst von Mösles Mendelssohn, mit Vorstellungen bestürmt von Cerf Beer, der König selbst, ein zwar schwacher Mann, aber ein Christ in Jesu Christi Sinne, widerstand dem judenfeindlichen Drängen des Klerus und des Adels. Er erliess Dekrete zum Besten der Juden — aber das Volk blieb taub. — Der durch die Konstitution in seinem Wollen eingeschränkte König konnte zwar das Gesetz der vollständigen Gleichberechtigung aller Juden bestätigen, aber dem Ganzen fehlte der organische Halt: es fehlte das Verständnis für den Begriff dler Gleichheit, alles in Pöbelhierrschaft und Anarchie ausartet. Auf der anderen Seite fehlte vor allem bei den eingewanderten Juden die für den Genuss dler Freiheit und Gleichheit notwendige Voraussetzung : die sittliche Höhe, um die es bei sehr vielen der im Osten Frankreichs wohnenden, aus Polen eingewanderten Juden schlecht bestellt war. Daher kam es, dass trotz des Beschlusses vom 13. November 1791 die Lage der Juden keine wesentliche Aenderung erfuhr. Es bedurfte der ganzen Kraft eines Napoleon, Ordnung in die französischen Dinge zu bringen. Er hatte keine Liebe für den einzelnen Juden, vielmehr verachtete er ihn, weil er — ewig gleiches Schicksal unseres Volkes — auf seinen Kriegszügen einigen betrügerischen Juden begegnet war! Ein Aufenthalt im Eisass wirkte auf seine Stellung zu den Juden nicht günstig. Sicher ist,

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