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Jüdische Rundschau · 1907-01-25 · 3 (25.1.1907) · p. Seite 19

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
3 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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Nö. % LITERATURBLATT 1» und die Gleichheit aller Bürger anzuerkennen• Die Judenfrage jedoch musste noch besonders gelöst werden, trotzdem Juden in grosser Zahl durch Eintritt in die Nationalgarde ihren Opfermut für die Sache der Revolution bewiesen. Die Nationalversammlung, welcher eine Anzahl1 von Juden angehörte, nahm anfangs Rücksicht auf die Volksstimmüng gegen die Juden, die vor allem in den östlichen Provinzen noch reichlich sich durch Verfolgungen Luft machte. Doch Hessen auch ietzt der Klerus und seine katholischen Anhänger nicht nach im Hasse gegen die Andersgläubigen — denn auch gegen die Protestanten richtete er sich, de Castellane’s Antrag: ״Kein Mensch soll wegen seiner religiösen Meinungen beunruhigt, noch in der Ausübung seines Kultus gestört werden“, erregte bei ihnen einen Sturm der Entrüstung, bis er endlich unter starkem Widerspruch und in der Fassung zur Annahme gelangte, dass ״Niemand .... wegien seiner religiösen Meinung behelligt werden soll, insofern ihre Aeusserungen nicht die öffentliche, vom Gesetze eingesetzte Ordnung stören.“ Von einer Gleichberechtigung der Juden war also noch keineswegs dib Rede. Die Nationalversammlung zog die Beratung der Judenfrage geflissentlich hin, bis endlich im Dezember 1789 die Wählbarkeit dier Scharfrichter, Schauspieler, Protestanten und — Juden auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Trotz der begeisterten Reden Robespierres, Clermont Tonnierres, Mirabeaus u. a., denen wiederum der Klerus sich entgegensetzte, wurde schliesslich die Judenfrage von derjenigen der Protestanten gesondert: die Judenfrage soll später getrennt nochmals besprochen, neue Beschlüsse aber sollen nicht gefasst werden. Auch wurden dib Juden wenige Wochieü später von dem passiven kommunalen Wahlrechte ausgeschlossen. Hier zum ersten Male wurden sämtliche Juden zusammengefasst, die bisher bevorrechtigten Portugiesen, Spanier und Avignonesen also — entrechtet. Diesen gelang es jedoch, beim Könige die Bewilligung ihrer früheren Rechte zu erlangen: sie waren die ersten jüdischen Vollbürger Frankreichs, während der Antrag Talleyrand, des Bischofs von Autun, allen denjenigen Judjen, welche bis dahin in Frankreich naturalisiert waren, die vollen Bürgerrechte zu belassen, nicht zur Annahme kam. Vor allem jichtete sich die judeüfeinöliche Strömung gegen die aus Deutschland Eingewranderten. Nach langen mit Begeisterung und Erbitterung von beiden Seiten geführten Kämpfen nahm aber die Nationalversammlung den Antrag des Jakobiners Duport an. ,.Ich glaube,“ so sprach dieser, ״dass die Kultusfreiheit nicht gestattet, einen Unterschied in den politischen Rechten wegen des Glaubens zu machen. Die Anerkennung dieser Gleichheit ist immer aufgeschoben worden. Indessen sind die Türken, Muselmänner und Menschen aller Sorten zugelassen, in Frankreich politische Rechte zu geniessen. Ich verlange, dass.dekretiert werde, dass

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