Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 3 (25.1.1907)
- Date
- 1907-01-25
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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D* _LiT K RAT U RBL ATT _Ha. $ LflSiren und dem Wesen Jesu Christi entstammende Anschauung. ״O, Ihr Nationen! Seit achtzehn Jahrhunderten tratet Ihr Israel mit Füssen. Die Rache Qottes entfaltet über sie alle Strenge; aber hat sie Euch beauftragt, ihre Werkzeuge zu siein? Die Wut Eurer Vorfahren hat ihre Schlachtopfer unter dieser unglücklichen Herde gewählt. Welche Behandlung spart Ihr Euch für die schüchternen Lämmchen auf, die, dem Blutbade entronnen, in Euren Armen eine Zuflucht suchen? Ist es denn genug, ihnen das Leben zu lassen, wenn Ihr ihn&en altes raubt, was das Leben erträglich machen kann? Werdet Ihr Euren Hass Euren Kindern als einen Teil der Erbschaft hinterlassen?...•.. Ein neues Jahrhundert bricht an; mögen die Bahnen der Menschlichkeit seine Pforten umkränzen, und möge die Nachwelt im Voraus der Vereinigung Eurer Herzen zujauchzen. Die Juden sind Glieder derselben ausgebreiteten Familie, welche die Brüderschaft unter den Völkern befestigen soll, und über sie.wie über Euch breitet die Offenbarung ihren majestätischen Schleier aus. Kinder desselben Vaters, entzüeh'et jeden Vorwand zur Verachtung bei Euern Brüdern, die ein/es Tages in demselben Gotteshause vereinigt sein werden. Oeffnet ihnen Freistätten, wo sie in Sicherheit ihre Häupter nied’erlegen und ihre Tränen trocknen können, und möge endlich der Jude, indem er dem Christeii Gegenliebe bewilligt, in mir seinen Mitbürger und seinen Freund umarmen.“ Trotz des Eintretens des Königs und seiner Minister, trotz des wackeren Streitens der Mirabeau und Gregoire, trotz der Mühen geistig hervorragender Juden selbst, unter (fenen Jesaija Beer Bing, der Pole Salkind Hurwitz, Mose Ensheim, ein Schüler Mose Mendelsohns, die Familie Berr, Furtado und viele andere sich besonders hervortaten, konnten die Juden es nicht zur vollen Gleich- Stellung bringen. Adel und Geistlichkeit sorgten in Gemeinschaft mit dem Pöbel, der ihnen ja noch stets ein brauchbarer Bundesgenösse war, wenn es hiess, gegen die Juden lbszuziehen, dass die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit vor den Toren unseres Volkes Halt machten. Die Bastille war gestürmt, des Königs Macht schon längst gebrocken — das Volk herrschte. Und wie immer es bis heut geschieht, die Judenverfolgung trat als Ableitungsmittel in Szene. Aber jetzt regte es sich im gesamten Judentum Frankreichs: bisher gespalten, der stolze Portugiese, dter deutsche Eindringling, der Jude von Bordeaux, welcher, im Besitze alter Rechte, sich besonders hoch dünkte und sogar zum Verräter an der Judensache geworden war, der polnische Jude — alle schlossen sich zusammen und begannen den Kampf für die Gleichstellung der gesamten französischen Judenh’eit mit den übrigen Franzosen. Der edle Priester Gregoire stets ihr Berater! — Das Anwachsen der Anarchie hatte den Adel dazu gebracht, auf seine Vorrechte zu verzichten