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Jüdische Rundschau · 1907-01-18 · 2 (18.1.1907) · p. Seite 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
2 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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LITERATURBLATT 15 No. 2 selbst abgelehnt haben. Dies trübt die Kritik. Wenn! man auch einer der wichtigsten Disziplinen ,,der alttestamentarischen Exegese, hinsichtlich ihrer Ergebnisse, die vollste Anerkennung aussprechen müsse und ihnen vieles verdanke, so ist dennoch der Angstunid Kernpunkt: aller Untersuchungen der, das Alte Testament wesentlich im Lichte des Neuen Testaments zu betrachten. Freilich trifft dieser Vorwurf nicht die Vertreter der neueren Richtung der protestantischen Exegese, die ein Verständnis der jüdischen Religion dadurch anzubahnen streben, dass sie die lokalen Verhältnisse studieren, zum Vergleich mit anderen Religionen die Fundstätten von Ägypten. Babylonien und Assyrien diurchwühlen!. die einzelne Schriften des Alten Testaments in ihre Teile zerlegen und sich so ein Bild der religiösen Entwicklung des jüdischen Volkes machen. Bei aller Anerkennung dieser Bestrebungen muss man auch hier sagen, dass das geistige. Band fehlt und die schöpferische Macht, die im jüdischen Volke tätig war, zu geringe Berücksichtigung findet. Es war ja eine Zeit, wo man vom Alten Testament als der Religionsurkunde eines orientalischen Volkes weit abrücken zu müssen glaubte. Dies war der Standpunkt des vorigen Jahrhunderts. vertreten besonders durch Schleiermacher und Hegel. Gleichzeitig erstand ein Kritiker auf den verschiedensten Gebieten, der Populär- Philosoph Samuel Reimarus. Die Bibel ging in der Schätzung der damaligen Welt sehr zurück. Da begann eine neue Bewegung, die vom religiösen Inhalt ganz absah und die Bibel nur nach der ästhetischen und sprachlichen Seite hin betrachtet wissen wolle (Herder); sie hatte in England ׳einen günstigen Boden. Nunmehr bewegte sich das Bibelverständnis in aufsteigender Bahn;; ״Verschiedene Hypothesen kommen und gehen, aber die Bibel bleibt.“ Von welcher Bedeutung die Bibel für die The( logie geworden,, zeigt die in letzter Zeit brennend gewordene Frag© nach dem Zusammenhang der Bibel mit der gleichzeitigen Kultur. Der Babelforschung. die sich an den Namen Delitzsch knüpft, wurde nunmehr gedacht und die tendenziösen Versuche, dem Judentum den Anspruch auf die erste göttliche Offenbarung zu nehmen, kritisch beleuchtet. Di© Bedeutung des Judentums, so resümierte Vortragender, beruht darauf, der Welt Gott gegeben zu haben und auch Christum,, der nur durch das Judentum Mensch geworden ist. Man muss gegen die Darstellungen des Judentums opponieren, die lediglich auf dem Neuen Testament basieren und alles־ das,, was ihnen darin nicht behagt, als jüdisch ansprechen. Mat einem Ausblick auf die talmudischen Lehren und ihre Beziehungen zum Islam schloss Vortragender seine interessanten Darlegungen, ־die von einer zahlreichen Versammlung mit warmem Beifall aufgenommen wurden. Die ägyptische Religion und das römische Reich. Über die ägyptische Religion und das römische Reich hielt am 7. Januar 1907 abends der bekannte Orientalist und Direktoir des Aegyptischen Museums in Berlin. Professor Dr. Adolf Er man, vor den Mitgliedern des ״Vereins für Kunst und Wissenschaft“ einen Vortrag. Die ägyptische Religion so führte er etwa aus, besass ursprünglich nicht die weite Verbreitung, die sie später fand; bis zum 4. vorchristlichen Jahrhundert nahm Ägypten etwa die Stellung ein, die heute China in der Welt besitzt. Im IV. Jahrhundert vor Chr. blickte Ägypten schon auf eine Geschichte von 3000 Jahren zurück, seit seiner Blütezeit waren 1500 Jahre verflossen, und 1000 Jahre währte schon die Zeit seines inneren Ver-!'alles. Doch seine alte Religion hatte es sich zu erhalten gewusst, sie bestand aber damals׳ schon aus einem Wust von heterogenen Dingen und: Anschauungen. Die vielseitigste Verehrung von Tieren trat in den Vordergrund, es wurde nicht mehr ein einzelner Stier vergöttert, sondern samt-

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