Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 2 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8295971-9046061-8238376--459-8190091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
LITERATURBLATT No. 2 Geschichte der Nationalökonomie. Eine erste Einführung von Adolf Damaschke. Zweite durchgesehene Auflage. Jena: Gustav Eischer 1906. VIII, 244 S. 8°. Die Nationalökonomie ist eben erst dabei sich in ihrer jetzigen Form zur Bedeutung einer Wissenschaft emporzuringen. Wenn gleichwohl Eisenhart in seiner Geschichte der Nationalökonomie Nachfolger findet, so beweist das, für• wie wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung die wissensehaftliche Anschauung angesehen werden muss, die man von den volkswirtschaftlichen Theorien der Vergangenheit hat. Zu den Historikern der Nationalökonomie gehört auch Adolf Damaschke, dessen Werk uns bereits in zweiter Auflage vorliegt. Mit der bei ihm bekannten Formgewandtheit stellt er diese Geschichte in zugleich wissenschaftlich begründeter wie gemeinverständlicher Weise dar. Und man kann sagen, dass ihm der Wurf wohlgelungen ist. In unsere Betrachtung gehört das vorliegende Buch durch die kurze aber grundlegende Darstellung der mosaischen Volkswirtschaftslehre. Die Gesetzbücher Israels stellen ja in ihren grossen Grundlagen das Ideal der Lehre dar, wie es die von Damaschke vertretene Bodenreform in den modernen• Verhältnissen angepassten Anschauungen vertritt. Daher ist jede Damascl1kesch,e Arbeit für uns Nationaljuden von besonderer Wichtigkeit, weil sie die Bodenreform, die eigentliche nationale Form der jüdischen Volkswirtschaft zum Zwecke hat. Auch in diesem vorziiglichen Buche tritt die Bedeutung der hebräischen Gesetzbücher in voller Weise hervor. Dass das Buch nach gründlicher Erörterung der anderen Theorien in die Bodenreform ausklingt, i!st natürlich. Fiir den Zionismus, der, weil er jiidischnational ist. bodenreformerisch sein muss und dies Prograrnm der!Bodenreform für die Jüdische Nation durch den Nationalfond realisieren will, ist dieser grosse Gedanke zugleich eine Frage seiner nationalen Grundlage wie seiner praktischen Durchführung. Der mutige Vorkämpfer der Bodenreform, dem wir dieses Buch :verdanken und der in anderen Schriften mit gleicher Objektivität sich bemüht, das mosaische' Gesetz zu verstehen und zu verteidigen, wünschen wir, dass er nicht nur in der Wissenschaft die Früchte seiner Arbeit sehe. hh. se. Notizen Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt am 5. d. Mts. ihre Generalversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende seiner Freude über die gedeihliche Entwicklung des Vereins Ausdruck gegeben und der Bericht über das verflossene Geschäftsjahr di׳e Gnehmigung der Versammlung gefunden hatte, nahm Dr. Brann die Herausgabe des 50. Bandes der ejtzt von Grätz hierausgegebenen MONATS- SCHRIFT FÜR DIE GESCHICHTE UND WISSENSCHAFT DES JUDEN- TUMS zum Anlass, dieses für die Geschichte des Judentums, dessen geistiges Rückgrat diese Schrift' bilde. bedeutsame Ereignis durch ein detailliertes Resume über Entstehung und Entwicklung des Gesamtwerkes zu feiern. Auf der Tagesordnung stand ferner ein Vortrag des Rabbiners Dr. E s c h e 1b a c h e r - Berlin über ״Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie.‘‘ Hierzu w.urdie folgendes ausgeführt: Wenngleich die Augen nicht ungetrübt sind, miit denen die moderne׳ protestantische Theologie das Judentum betrachtet und manches verborgen bleibt, was den Eingeweihten in durchaus klarem Lichte erscheint, so ist es dennoch inetressant. ein solches Urteil kennen zu lernen, da sie manches andererseits viel schärfer sehen. Nicht um einen Feind, wohl aber um einen Gegner handelt es sich, denn die modernen Theologen stehen unter Einwirkung des Gedankens, dass die Juden das Christentum