Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- III (1907)
- Issue
- 2 (18.1.1907)
- Date
- 1907-01-18
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 N0. 2 LITERATURBLATT Auch ©r, der geschäftliche Vertraute des Landgrafen von Hessen, des Herzogs von Zweibrücken, des Fürsten von Nassau, musste allabendlich die Stadt verlassen. Schon lange führte er die Sache der Juden, in deren Gemeinde er der Angesehenste war. Er trat in Verbindung mit Moses Mendelssohn, dessen Pentateuchübersetzung er im Eisass verbreitete. Er errichtete Manufakturen, um eine .Anzahl von Juden dem Handwerke zuzuführen. Neben dieser Kulturarbeit vernachlässigte Cerf Berr es nicht, durch den Einfluss, welchen er als ,,Generaldirektor der Militär-Fouragierungen“ auf die Regierung hatte, d?e Rechtsstellung der Juden zu verbessern. Zunächst gelang es ihm, mit Hilfe des Staatsministers Herzog von Coisent für sich und seine Familie das Recht zu erlangen, während des ganzen Winters in Strassburg zu wohnen. Sein Gesuch hatte er damit begründet, dass die Wege nach Bischheim von Räuberbanden gefährdet wären und er und seine Familie zur Erhaltung der Armee unentbehrlich wäre. Drei Jahre später, 1771, verschaffte ihm der Marquis v. Monteguard die Erlaubnis, auch im Sommer in der Festung wohnen zu dürfen. Jedoch witterte der Magistrat die Absichten der Juden und beschränkte die Erlaubnis auf die Zeit des Lieferungsuntennehmens Cerf Beers. Vermutlich mit Wissen des Herzogs von Zweibrücken ,erwarb nun der Jude aus dessen Besitz durch eine Zwischenperson den ersten liegenden Besitz in Strassburg, den Rappoltsteinerhof. Bald mietete er für seine Schwiegersöhne weitere Häuser. Und im Jahre 1784, also 14 Jane nach dem ersten heimlichen Erwerbe der Grundstücke, bekannte er sich unt!er allgemeiner Entrüstung der Behörden als den Grundeigentümer• Strassburg pochte jetzt auf sein altes Judenrecht. Cerfbeer wies den Naturalisationsbri'ef vor, den sein Gönner, der König, ihm vor 9 Jahren gewährt. Niemand hatte darum gewusst! Die Sache kam vor das Ministerium. Und zwar klagte Cerfbeer dan Magistrat an, dass dieser nicht die Rechte des Königs, der ihm ihm doch mit d:e,m Bürgerbrief das Bürgerrecht allenthalben in Frankreich geschenkt, achtete. Er müsste in Strassburg dauernd bleiben; denn seine dauernde Anwesenheit wäre erforderlich für die Verproviantierung der Königlichen Armee. Ferner zieh er die Stadt der grausamen Unmenschlichkeit. Schliesslich argumentierte er: ,,Geziemt es einem Magistrat von Strassburg, und steht es ihm zu, .gegen die Entscheidung und den Akt der Güte, Gerechtigkeit und Landesherrlichkeit Eurer Majestät Einspruch zu erheben?“ Aber nicht allein an sich und seine Familie dachte Cerfbeer: für sein ganzes Judenvolk kämpfte er! Er schrieb in seiner Bittschrift: ״Welches auch immer die Absichten Eurer Majestät sein mögen, sei es dass Höchstdieselbe durch einen Rest von Mitleid mit allen Vor-