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Jüdische Rundschau · 1907-01-18 · 2 (18.1.1907) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
III (1907)
Issue
2 (18.1.1907)
Date
1907-01-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau Beilage zu *Jüdische Rundschau Jihrg: XII. No. 3 Q Herausgegeben von ft Br. Heinrich £oewc. Redaktion: BERLIN N. W. 52, Melanchthonstrasse 4. No. 2. Berlin, 3. Schebat 5667 — 18. Januar 1907 Jahrg. HI Die Juden Frankreichs und die grosse französische Revolution. Von Dr. med. Carl Kassel -Posen. Die Judenfrage nimmt innerhalb dter jüdischen Gesellschaft ein weitgehenderes Interesse in Anspruch, als dies früher der Fall war. Die besser situierten Kreise suchten schon von jeher nach ihr!er Lösung, jetzt aber hat die Gährung alle Schichten der Bevölkerung ergriffen — wir leben mitten in einer grossen jüdischen Volksbewegung! Ein Blick auf die Strömung, welche vor nunmehr 100 Jahren in Frankreich zur Erleichterung der Lage der Juden führte, ist klärend in gar mancher Hinsicht, wie überhaupt das Studium unserer Geschichte manche Unklarheit in der Stellungnähme der Juden in unserem Kampfe ums Recht zu beseitigen imstände sein dürfte. Anekdotenhaft klingt es, und doch ist es urkundlich beglaubigt, wie an den Namen eines einzigen Mannes der Werdegang der Judenjerlösung sich anschloss. Allabendlich kündeten die Glocken des Strassburger Münsters den Juden, si'e sollten die Stadt verlassen. Altes Stadtrecht verbot ihnen das Uebernachten in der Festung. Die Regierung Ludwigs XVI. brachte eine kleine Erleichterung: wtenn Juden tagsüber ihre Geschäfte nicht beendet, durfte ihnen ein einziges hierzu bestimmtes Gasthaus zum Uebernachten angewiesen werden. Der Wirt war verpflichtet, sie anzumelden. Diese Bestimmung sollte der Ausgangspunkt des Kampfes der Juden um ihre Befreiung werden. Herz Hirsch Medelsheim, französiert Cerf B'err, aber im Volksmunde noch heut bekannt als Gross-Ette Cerfbeer — wohnte eine Stunde weit von Strassburg im kleinen Orte Bischhleim. AU Armeelieferant Ludwigs XVI. wusste er, durch strenge Rechtlichkeit sich die Achtung und das Zutrauen seines Königs zu erringe*. Aber auch er unterstand den beschränkenden Gesetzen Strassburgs.

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