Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 26 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/8295971-9045928-8238372--431-8190058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 26 LITERATURBLATT 211 historische Darstellung; er ist eine Sammlung von Aufsätzen, deren wichtigsten und für den Titel bestimmender nur drei Fünftel des Ganzen ausmacht. Die beiden von Bernhard Luther herrührenden Arbeiten ״die Persönlichkeit des Jahwisten“ und ״die Novelle von Juda und Tamar und andere israelitische Novellen“ wenden sich literar-historischen Problernen zu. Sie sind sehr anschaulich geschrieben und bieten eine Fülle des Anregenden und Neuen für die Betrachtung und das Verständnis biblischen Darstellung. Durch die von Meyer selbst herrührenden Abhandlungen geht als gemeinsamer Zug das Bestreben, vom einzelnen zu!m Gesamten zu kommen. Dieser Zug synthetischer Kombination ist es, der nach der rein zerstörenden philologischen ״Bibelkritik“ geradezu wohltuend wirkt. Auch M. bedient sich der ausführlichen Quellenkritik und hält sich naturgemäss nicht immer ganz frei von der beliebten Deutung und Umdeutung von Namen und Erzählungen, die zuweilen weit erzwungener ist als die schlichte Hinnähme des Gegebenen. Aber ihm ist doch in jedem Augenblick die Scheidung der Quellen nur Mittel zum Zweck, wie er selbst in der Vorrede ausführt, zu dem Zweck nämlich, das wirklich Quellenmässige herauszuschälen und zu Schlüssen auf den Kultur- und völkergeschichtlichen Ablauf zu verwerten. Etliche seiner Ableitungen, vor allem über die ursprünglichen Kulte und ihre Beziehungen zu den Patriarchensagen, werden wohl berechtigten Zweifeln begegnen; dagegen ist seine Auffassung der älteren hebräischen Geschichte als Geschichte einzelner Stämme, unter denen besonders eine nördliche und eine südliche Gruppe scharf geschieden sind und nur sekundär durch politische Einflüsse teilweise zusammenfliessen, vorzüglich durchgeführt und eröffnet zahlreiche neue Perspektiven. Alles in allem kann man sagen, dass bei der betrübenden Armut an palästinischen Inschriften dieser Epoche Eduard Meyer das Verständnis für diese Zeit analytisch und synthetisch bis hart an die Grenze des heute Möglichen gefördert hat. Seine Arbeit zeigt zur Evidestiz, dass mit Textkritik der Bibel allein eine solche Geschichte nicht erschlossen werden kann. Neue Funde werden das Licht bringen müssen, das an die Stelle des schwachen Dämmerscheins treten soll, in dem wir heute unsere Augen abmühen. E 1 i j a. Judentaufen Im 18. Jahrhundert. Mit besonderer Berücksichtigung Preussens dargestellt von Dr. M. Samter, Berlin, Verlag v. M. Poppelauer, 1906, 157 S. ' Der Verfasser, der über reiches, historisches und allgemeines Wissen verfügt, hat ein sehr interessantes statistisches Material zusammiengebracht, aber darüber hinaus eine Art von innerer Entwicklungsgeschichte der deutschen Juden im letzten Jahrhundert geliefert. Um sein Ziel zu erreichen, musste er zeigen, wie sich der aus dem Ghetto heraustretende Bürger des neuen Staates seelisch mit den vorhandenen Gewalten, dier herrschenden Religion, den Einflüssen des fremden Milieus abhand, und die von ihm gezogenen Schlussfolgerungen sind lesenswert für alle, denen die Erhaltung des Judentums wertvoll erscheint. Mit Recht geisselt der Verfasser den herrschenden Brauch, getaufte Juden öffentlich zu bevorzugen. Er liefert den Nachweis, dass nur ein sehr geringer ״Prozentsatz aus wahrer Ueber^eugung den Uebertritt voll-, zieht und die Mehrzahl der Getauften sich durch rein äusserliche Motive bestimmen lässt. Es wird also gerade der charakterschwächere Teil der Juden von Staat und Gesellschaft als vollwertig acceptkert, was weder im Interesse der Regierung noch, des Volkes liegen kann. Aber auch, die ' Vermischung beider Volks teile durch die zahlreich gewordenen Mischehen besteht nur schwer, wenn man die Folgeerscheinungen an der Hand, der ' Statistik betrachtet. In Preussen stieg die Zahl der Mischehen von 277' im Jahre 175 auf 493 in 1903, die Zahl der rein jüdischen Ehen fiel ifh