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Jüdische Rundschau · 1906-12-21 · 26 (21.12.1906) · p. Seite 212

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
26 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 LITERATURBLATT N0. 26 gleichen Zeitraum von 2675 auf 2530. Während nun auf 100 reinjüdische Ehen 370 Kinder kamen, waren in 100 jüdisch-christlichen Ehen_ deren! nur 164! Von 1578 Mischehen, die 1895 in Berlin bestanden, waren 640 40% kinderlos! Fast ebenso schlecht ist der Prozentsatz (37%) für dein pjreussischen Gesamtstaat. Auch die Zahl der Totgeburten in Mischehen übersteigt (mit 3,45 %) diejenigen der reinjüdischen Ehen (3,21 %) erheblich. Was die Statistik der Ehescheidungen anlangt, so liefern die Mischehen noch traurigere Ergebnisse. Von ihnen wurden im Jahrfünft 1895/99 1,34 % geschieden, während der Prozentsatz bei rein jüdischen Ehen nur 0,375 betrug. In Berlin entfielen im selben Zeiträume 252 Scheidungen auf jüdische Ehen. 101 auf Mischehen. Die Kinder aus Mischehen folgen fast stets dem christlichen Elternteil. In der. 1900 in Preussen bestehenden 4052 jüdisch-christlichen Mischehen sind 5693 Kinder geboren, von denen nur 1402 im Judentum erzogen wurden. Im ganzen hat das Judentum im Letzten Jahrhundert durch Taufe und Mischehen etwa V« seiner Bekenner verloren. Kein Wunder, wenn der Verfasser dem gegenüber im letzten Teil seines Buches seinen Glaubensgenossen in einer Gegenüberstellung der beiden Religionen Begeisterung für dlie seinige verleihen will. Nur glauben wir. ihn auf einen Irrtum aufmerksam machen zu müssen: Die Autoritäten, die er.gegen das Christentuim ins Feld führt, verneinten grösstenteils in ihrem Leben überhaupt jeden positiven Glauben. Es ist bedauerlich, dass die sorgfältigen statistischen Tabellen nicht auch den Prozentsatz der Taufen, Austritte, Mischehen usw. zur jüdischen Gesamtbevölkerung angeben. Das hätte ihnen erhöhten Wert verliehen. Für die Kenntnis der Verhältnisse ist das Buch sicherlich wertvoll u!nd es wird nicht ohne Nutzen gelesen werden. Wiesbaden. D r. Fried e m a n n. Die Bildersprache des Alten Testaments. Ein Beitrag zur aiesthetisehen Würdigung des poetischen Schrifttums im Alten Testament. Von Aug. Wünsche. Leipzig: Eduard Pfeiffer 1906. (V. 187 S.) 8. Preis brosch. 4,50 Mark, in eleg. Ganzleinenband 5,80 Mark, in Halbfranz, geb. 6,80 Mark. Unter den Gelehrten, die sich der hebräisrhen Literatur mit ebenso grosser Liebe wie Verständnis widmen, steht in einer der vordersten Reihen August Wünsche. Je seltener nichtjüdische Gelehrte ohne Voreingenommenheit an die jüdische Literatur herantreten, um so höher stehen die Männer, die sich über den Standpunkt der andern zu erheben vermögen. Die Vorbedingung ist dazu tiefgründige Kenntnis der h!ebräisehen Sprache, in deren Verständnis und intime Kenntnis Wünsche, wie kaum ein zweiter Nichtjude, eingedrungen ist. Der Hinweis auf seine zahlreichen midraschischen Ausgaben genügt dem Fachmann, diese Kenntnisse ins Gedächtnis zurü'ckzurufen. In dem vorliegenden Werke, das nur gelegentlich hebräische Wörter zitiert, ist gleichwohl ausser dem fleissigen analytischen Studium der Bibel diese intime Kenntnis des Hebräischen die notwendige Voraussetzung. Wir können über die allerersten allgemeinen Erörterungen hinweggehen und finden dann zuerst die bildliche Verwertung der Tierwelt, dann die Pflanzenschmucks, sodann die des Mineralreiches im Bilderschmucke des Alten Testaments mit Wünsche’- sekem Fleisse und feinem ästhetischen Verständnis auseinandergesetzt. Die schönsten Perlen hebräischer Literatur und Sprachschönheit werden unter diesem Gesichtswinkel vorgeführt und betrachtet. Dass in der Nachbar- Schaft Babyloniens die Poesie des Firmaments ihren ersten Ursprung in dem Sternendienst suchen könnte, liegt sehr nahe. Wünsche ist der Gefahr entgangen, die so verlockend ist, all!es Heil von Babylon! zu holen und »un ׳in die schönste Poesie von Himmel und Erde mythische Vorstel- 84

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