Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 26 (21.12.1906)
- Date
- 1906-12-21
- Page
- Seite 210 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8295971-9045928-8238372--430-8190057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
210 LITER A*T URBLATT N026. nicht den Namen ״Weihnachten‘‘, und man sucht vergeblich im ganzen christlichen Ritual dieses Festes nach einer ״Weihung“, von der man die Nacht eine Weihnacht hätte nennen können. Dagegen bedeutet der Name Chanukah direkt nicht anderes als die ״Weihe“, nämlich den Tag, an dem der Tempel durch die Makkabäer neu geweiht wurde, nachdem er durch das Götterbild des Zeus entweiht War. Der jüdische Tag beginnt aber bekanntlich mit der Nacht. Die sämtlichen Versuche, das Weihnachtsfest durch germanische und römische Mythen zu erklären, setzen voraus, dass man Christi Geburtstag nicht kannte, und dass man den Tag willkürlich angesetzt hat. Und das ist tatsächlich der Fall. Ganz abgesehen davon, dass die ganze Kindhieitsgeschickte Jesu im Neuen Testament erst sehr spät verfasst und in die Evangelien eingeflickt ist, nennen auch diese nicht einmal den Tag der Geburt. Dagegen wissen wir, dass ihn der Papst Liberius, der 352-—366 den römischen Bischofsstuhl innnehatte, zuerst im Jahre 354 feierte, dass der Tag aber erst 379 in Konstantinopd, 382 im kappadokischen Nyssa und 388 im syrischen Antiochia zum ersten Male gefeiert wurde. Lange Zeit ging im Morgenlande daneben der 6. Januar, das Fest des Epiphanias her. Wir können daraus entnehmen, dass man von den Judenchristen, die das Weihfest wie alle andern jüdischen Feste heriibergenomnien hatten, die Feier des 25. im Wantermonat übernommen hat und das gefeierte Fest nachträglich als das Geburtsfest Christi anzusehen begann, wie man 5a auch seit dem 7. Jahrhundert den immer als Jahresanfang angesehenem 1. Januar als den Beschneidungstag Jesu ansprach. Ebensowenig wie Ostern dem Fest der Ostara, sondern direkt dem jüdischen Pessach seine Entstehung verdankt, so geht die Weihnachtsfeier auf das germanische Julfest oder die römischen Saturnalien, sondern auf die Feier des jüdisehen Weihefestes zurück. In gleicher Weise erklären sich das scheinbar zufällige Zusammentreffen des Pfingstfestes mit dem jüdischen Schabuoth, der Himmelfahrtfeier mit dem Lagbepmer, der Fastnacht (eigentlich Faselnacht; so heisst sie noch auf plattdeutsch) mit dem lustigen Purimfest. Überall können wir auch in den Formen, nicht nur in den Ideen des Christentums den jüdischen Ursprung finden. Aber um so gedankenloser handeln die Juden, die ihrer eigenen Feste vergessen und den Geburtstag des Stifters einer andern Religion feiern, die aus dem Judemtume, herausgeführt hat. H. L. Literaturbericht Die Israeliten und Ihre Nachbarstämme. Aittestamentliche Untersuchungen von Eduard Meyer. Mit Beiträgen von Bernhard Luther. Halle a. S׳. Verlag von Max Niemeyer. 1906. IX und 576 S. 8U. Preis 14 Mk. Wer Eduard Meyers glänzende Monographie ״die Entstehung des Judentums“ kennt, wird es freudig begrüssen, dass endlich nach so vielen Theologen und Philologen ein echter rechter Historiker sich dem Studium von Problemen der vorexilischen israelitischen Geschichte zuwendet. Der stattliche Band, den M. vorlegt, enthält keine fortlaufende