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Jüdische Rundschau · 1906-12-21 · 26 (21.12.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
26 (21.12.1906)
Date
1906-12-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt der Jüdischen Rundschau zu 9 Herausgegeben Q Q Redaktion: BERLIN N W. 52, Melanchthonstrasse 4. Beilage zu 9 von .Jüdische Rundschau" Jahrg. XI. No. 51 Br. Heinrich £oeve. No. 26. Berlin, 4. Tebeth5667 — 21. Dezember 1906 Jahrg.II Weihnachten und Chanukah Die Nachahmungssucht, die gewissen jüdischen Kreisen infolge einer ungünstigen historischen Entwickelung eigen geworden ist, hat dazu geführt, dass der Christbaum in den Häusern vieler heimisch wurde, deren Väter im Namen des Christentums verfolgt und totgeschlagen worden sind, und deren Brüder noch heute 1m Namen des Kreuzes unterdrückt werden. Um so unangenehmer berührt jedem Mann mit gesundem Selbstbewusstsein diese kriecherische Gesinnung oder besser Gesinnungslosigkeit, die dien fremden Religionsbrauch nachäffen lässt, und Jude wie Germane oder Slave können für den Nachahmer des unjüdischen F.eierns nur ein gerüttelt volles Maas von Verachtung hegen. Aber so unjüdisch es ist, Weihnachten, den Geburtstag Jesu Christ׳, zu feiern, so verlohnt es doch der Mühe, Weihnachten auch einmal vom einem andern, jüdischen Gesichtspunkte aus zu betrachten, als es von diesem aktuellen Standpunkte aus geschehen muss. Man hat die Entstehung des Weihnachtsfestes mit dien römischen Brumalien und Saturnalien ebenso wie mit dem germanischen Julfest in Zusammenhang gebracht, und es ist vielleicht möglirh, dass mancher Zug dieser Feste auf die Weihnachtsfeier übertragen wurde. Die Wintersonnenwende, die in diesen Festen feierlich begangen wird, ist aber nicht am 25. , sondern am 21. Dezember und die Saturnalien dauerten vom 17.—24. dieses Monates, fanden also ihr Ende, ehe Weihnachten beginnt. Maa wäre auch nie auf die Vermutung geekommen, das Christfest mit dem Julfest in Zusammenhang zu bringen, wenn nicht zufällig die nordische 1 Sprachen diesen Namen beibehalten und diese Völker einige Bräuche des Festes in das. Christfest übertragen hätten. Dagegen ist es wohl zu beachten, dass das Fest am 25. des europäischen. Wintermonats gefeiert wird, wie das Chanukkahfest am 25. des Kislew, des babylonisch-jüdischer! Wintermonats. Sehr bezeichnend ist die Ähnlichkeit auch!in dem Zusammentreffen des Umstandes, dass bei dem jüdischen wie bei dem Christliehen Fest am Vorabend (dem 24.) Lichter angezündet werden, und dass diese Lichter für beide Feste gleich charakteristisch sind. Dazu kommt auch der deutsche Namen ״Weihnachten“ nicht zum Geringsten in Betracht Man versteht den Namen ״Heiliger Abend" ohne weiteres, aber

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