Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 25 (30.11.1906)
- Date
- 1906-11-30
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8295971-9045928-8238371--424-8190052- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
N0. 25 LITERATURßLATT 205 Einen Rückhalt allerbester Art fand er dabei ausser an der weitaus grössten Menge aer alten Zionisten aller Länder an seinem Freunde Dr. Max Nordau, der in Wort und Schrift für Herzls Ideen eintrat und gewissermassen dei Generalstabschef des Feldherrn für seinen Kongressfeldzug blieb. Die noch lebenden Mitglieder der Kattowitzer Konferenz eilten ebenso zum Kongress, wie die in allen Ländern bis nach Palästina hin verstreuten Zionisten als Mitglieder am Kongresse teilrahmen. Noch auf dem Kongress selbst wurde ein Berliner Flugblatt verteilt, das gegen die Abhaltung des Kongresses Einspruch erhob. Diese Protestierer bezeichneten sich selbst als: Zionisten, die aber gegen den Kongress und insbesondere seinen politischen Charakter Einspruch erhoben. Sie erklärten die Wohltätigkeitskolonisation als die einzige Möglichkeit einer gedeihlichen Arbeit. Aber man achtete gar nicht mehr auf diesen ebenso verspäteten wie unnützen Protest. Herzl war ein Mann der Arbeit, der sich durch papierene Proteste nicht einmal mehr aufhalten, geschweige denn zurü'ckhalten Hess. Am 29. August 1897 wurde der Kongress durch einen Alterspräsidenten eröffnet, der bereits an der Kattowitzer Konferenz tätigen Anteil genommen hatte. Dann fand die eigentliche Eröffnung durch Theodor Herzl statt. Der Kongress sollte den Grundstein legen zu dem Haus, das dereinst die jüdische Nation beherbergen wird. Er ist der Zusammenschluss aller,Richtungen im Judentum auf der Grundlage dier Nation. Der Kongress wurde ein solcher Grundstein. Er schuf die Organisation u׳nci das politische Programm. Er gab dem starken Führer die starke Partei. Er wurde der Grundstein, auf dem sich das aus dem Exil zurückkehrende Judentum aufbaut. Mit dem ersten Kongress, den der Zionismus in Basel abhielt, ist die Vorgeschichte des Zionismus abgeschlossen. Er selbst gehört bereits der politischen Geschichte der Bewegung an und ist 5,eit der Zerstörung Jerusalems der bedeutendste Markstein in der Geschichte des Jüdischen Volkes. Mordechai Manuel Noah hatte' mit der Tat begonnen, ohne etwas zu schaffen; Herzl begann mit Gedanken und Schwärmerei und schuf bleibende Werte und dauernde Institutior.en. Von Noah bis Herzl ist ein weiter Weg. Es ist das der Weg von dem ersten Gedanken bis zur ausfiihrenden Tat. Der Kongress war bereits der Begmn der Tat! Heinrich Loewe. Literaturbericht Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde; Organ der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konsei vierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Herausgegeben von Dr. M. G r u n w a 1 d. Das soeben ausgegebene, den Jahrgang 1906 dieser nunmehr vierteljährig erscheinenden Zeitschrift beschliessende 20. Heft der ganzen Reihe enthält einen 34 Seiten starken Auszug aus der in der russischen Monatsschrift WOS’CHOD erschienenen Schilderung der Juden in Teheran von M. Abesh-us. Der beschränkte Raum der ״Mitteilungen“ nötigte die Uebcrsetzerin, Frau Dorothea Weissenberg in Elisabethgrad, sich auf die Darstellung des für die Volkskunde Wichtigsten, des Volkscharakters und