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Jüdische Rundschau · 1906-11-16 · 24 (16.11.1906) · p. Seite 199

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
II.1906
Issue
24 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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No. 24 LITERATURBLATT 199 sind jüdische Riesenstädte entstanden, eine Erscheinung, die in dien Vereinigten Staaten und England zur Erschwerung der Einwanderung geführt hat. Die Versuche landwirtschaftlicher Ansiedlung, wie sie grosse jüdische Philnntropen mit ungeheurem Aufwande gemacht haben, sind überall gescheitert — ausser inPal ästina, wo jetzt endlich nach langem Tasten dlie richtige Organisationsform gefunden scheint. Hier nämlich findet der eingewanderte Jude sofort Anschluss, sprachliches und religiöses Verständnis, und hierher bringt er ein mpenderabile, das der Praktiker gar nicht hoch genug veranschlagen kann, das Heimatsgefühl bereits mit, das ihm überall sonst nur schwer und langsam anwächst. Darum ist er hier auch von vornherein zu härterer und entsagungsvollerer Pionierarbeit bereit, als nirgendwo anders. Da nun das Land den Gebieten des grössten Druckes, Russland und Rumänien, ausserordentlich nahe liegt, da es, wie jetzt unzweifelhaft feststeht, für Kleinkultur besonders geeignet ist, d. h. einer so dichten Bevölkerung Raum gewährt, dass die gesamte, m iAugenblick auswandierungsbedürftige Judenmaffe Platz finden könnte; da es ferner als die Landbrücke zwischen den drei Erdteilen und als Lagerstätte wertvoller Mineralien eine glänzende kommerzielle Zukunft hat, und da schliesslich die Türkei sich von jeher als judenfreundlicbe Macht bewährt hat: so kann die Volkswirtschaftliehe, politische und emigrationstechnische Erwägung die Sehnsucht nach dem Lande der Väter nur zu gutheissen. Auch das kann man dem besonnenen Zionismus ruhig zugestehen׳, dass eine zur grossen Mehrheit aus Juden bestehende Siedlung in Palästina, erst einmal unter dem Schutz der Mächte mit einer gewissen Autonomie ausgestattet, schnell genug zuzr Wiederschöpfung eines Volkstums im eigentlichen Sinne führen müsste, dessen Grundlagen in der durch Sprache, Religion. Literatur und Tradition geeinten Ostjudenschaft heute schon stark genügend gegeben sind. Vorläufig legt der Zionismus dien Hauptnachdruck auf die Fortschritte der jüdischen Arbeit in Palästina. Sehr lehrreich sind in dieser Hinsicht die angeführten neuesten statistischen Angaben über die Einwanderung von Juden in Palästina und den überraschenden Aufschwung« der jüdischen Kolonien. Kleine Schönheitsfehler sind natürlich in der Schrift auch vorhanden. So verletzt uns das Schimpfwort ״Jangor“ als Bezeichnung der Jüdisch-deutschen Sprache. So etwas sollte man niemals auch nur versehentlich, tun. Alles in allem erweckt die ganze Schrift den angenehmen Eindruck, als wäre die Vorbereitungszeit des Zionismus vorüber, und es beginne jetzt die Zeit der Reife und Arbeit. Die erfreuliche Annäherung der früher feind* liehen Gruppen, die sich seit einigen Jahren immer stärker vollzieht, dürfte auf diesem Boden gegenseitiger Würdigung und Schonung neue, erspriessliehe Fortschritte machen. Notizen Jüdische Volkskunde Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde veranstaltete eine Ausstellung ihrer Sammlungen, unter denen besonders hervortreten: alte, farbenprächtig ausgeführte Trauungsurkunden, ferner die aus dem Nachlasse des verstorbenen Herrn Dr. H. C. Levy herrührenden silbernen Kulturgegenstände und die Reliefs des bekannten Bildhauers Prof. Boris Schatz. Monumenta Judaica ln der Redaktion der MONUMENTA JUDAICA sind Veränderungen eingetreten, denen zufolge Herr Dr. Moritz Altschüler, der bisher mit unter den Herausgebern dieses sogenannten Quellenwerkes fungierte, aus

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