Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- II.1906
- Issue
- 23 (9.11.1906)
- Date
- 1906-11-09
- Page
- Seite 191 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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191 No. 2a LITERATURBLATT des sich nur irrtümlicherweise Geistlicher nennenden Verfassers auf das Wort des Dichters hin: ״Er ist ׳ein Mann, nehmt alles nur in allem“ Wer Eigenart schätzt und eine zuweilen noch holprige Form vergeben kann, der folge dem ״reitenden Priester“ querfeldein und lausche ihm, wenn er zu Hause seine Fiedel streicht, und wenn er sieht, dass Wespen an den Liedesfrüchten nagen, so möge er die Wespen nicht scheuen und sich nur an den Süssigkeiten dieser Lieder freuen. M a’a r a b i. Leben und Religion. Gedanken aus den Werken, Briefen und ninterlassenen Schriften von (Friedrich) Max Müller, Prof, der orientalischen Sprachen in Oxford. Stuttgart: Kielmann (1906). (VIII, 281 S.) 8. (F.) Die Witwe des verstorbenen Gelehrten, Frau Geargina Müller, hat zum Gedächtnis an ihren Mann und zur Erbauung künftig Leidender aus den Schriften und Briefen ihres verstorbenen Mannes das herausgegeben, was ihr als das Wertvollste unter den Schriften ihres Mannes erschien. In dieser Sammlung kommt ein tiefer religiöser Sinn zum Ausdruck, der den: verstorbenen Gelehrten charakterisiert. Es ist nicht alles Wissenschaft oder auch nur wissenschaftlich begründet, was er in diesen Blättern zum Ausdruck bringt, aber es sind schöne Aeusserungen einer schönen Seele, die sich müht, das Leben und die Menschheit von der idealsten Seite zu sehen. Aber das Buch ist christlich-konfessionell. Darüber kann man sich nicht täuschen. Es ist im vollen Zusammenhänge der Müllerschen Gedankenweit, wenn er meint, dass das Christentum zuerst die Schranke zwischen Juden und Heiden, zwischen Griechen und Barbaren, zwischen Weissen und Schwarzen riss. Das ist historisch unrichtig, ein Gedankenfehler und historischer Irrtum, der vielen andern mit Müller. gemeinsam ist. Die angeblich durch das Christentum niedergerissenen Schranken zwisehen Juden und Haiden, sind von ihm auf den Gegensatz zwischen Judentum und־ Christentum viel schärfer übertragen worden und wer da glaubt, dass die Schranken zwischen Weissen und Schwarzen durch das Christen״ tum auch nur gemildert worden sind, der weiss wahrscheinlich nicht, dass es nur ausschliesslich fromme, ganz streng konfessionelle Christen waren, die die Versklavung der Negervölker verschuldet haben. Ebensowenig stammt die Vorstellung von der Menschheit als einer Familie, als den Kindern eines Gottes nicht aus dem Christentum, sondern aus dem unveränderten Judentum. Dass der Anfang der Sprachwissenschaft vom ersten christlichen Pfingstfest datiert, klingt im Munde eines gelehrten Sprachforschers ungefähr wie ein Scherz. Dabei ist das Buch hoch interessant geschrieben mit vielen interessanten Anregungen und voller tiefer gemütvoller Betrachtungen, die zu jedem ernsten und aufrichtigen Gemüt innig zu sprechen vermögen. Es ist immerhin ein Genuss, in das Seelenleben eines Gelehrten einen tiefen Blick tun zu können. Ma’arabi, Jüdische Volksbüchlein Nr. 3- רי די• צי־ון יודי״״עי־ ליעד ערב וך־ Jüdisches Liederbuch. Deutsch-Polnisch-Jargon-Hebräisch. 2. vergrösserte Auflage.. Verlag Verein ״Zion“ Nadwörna (Galizien). Drohobycz 1906: Zupnik. Die vorliegende neue Auflage enthält nicht weniger als 27 hebräische, 20 jüdischdeutsche, 6 polnische und 13 deutsche Lieder. Diese 107 samtlieh sangbaren Lieder sind vorzüglich ausgewählt und zu einem so niedrigen Preise angesetzt, dass er merkwürdig wäre, wenn der Verein ״Zion‘ nicht ein vorzügliches Geschäft mit diesem ausgezeichneten Liederbuch ma, hen sollte. Warum aber schimpft das treffliche Liederbuch die jüdischdeutsche Sprache einen Jargon? Jargon heisst auf Deutsch ,;Kauderwälsch‘‘ und wir sollten uns wohl hüten, die organische jüdischdeutsche Sprache in dieser Weise mit Diebs- und Gaunersprachen und mit dem Kauderwälsch englisch und französisch stammelnder Neger einzuschätzen. Unter den hebräischen Liedern sind einige unrythmisch, was freilich durch: die ungenaue aschkenasische Aussprache verschuldet ist. Von den deut-